{"id":2191,"date":"2019-05-14T23:49:39","date_gmt":"2019-05-14T22:49:39","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=2191"},"modified":"2021-05-11T17:05:55","modified_gmt":"2021-05-11T16:05:55","slug":"machine-learning-recht-recap-legal-innovation-talk-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/machine-learning-recht-recap-legal-innovation-talk-1\/","title":{"rendered":"Machine Learning &amp; Recht &#8211; Recap Legal Innovation Talk #1"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem im Januar bereits unser Kick Off-Event gro\u00dfen Anklang gefunden hatte, ging am 08.05.2019 der Legal Innovation Talk in die erste Runde. Thema des Abends war K\u00fcnstliche Intelligenz im Recht. Rund 80 G\u00e4ste hatten sich aus diesem Anlass im gro\u00dfen Gerichtssaal des Heereman\u2018schen Hofs in M\u00fcnster versammelt, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Der historisch bedeutsame Renaissancebau, der als alter Adelshof auf das 16. Jahrhundert zur\u00fcckgeht, bot eine beeindruckende Kulisse f\u00fcr einen interdisziplin\u00e4ren Blick auf die Zukunft des Rechts.<\/p>\n<p>Erster Speaker war Marcus Cramer, Head of Analytics beim Westphalia Datalab und selbst Mitglied bei recode.law. Er gab uns eine Einf\u00fchrung in das Thema Artificial Intelligence und Machine Learning. Zun\u00e4chst ging es um die Frage, wie man KI \u00fcberhaupt definieren k\u00f6nnte und welche philosophischen Fragestellungen sich dahinter verbergen. Marcus erl\u00e4uterte dabei nicht nur die traditionelle Unterscheidung zwischen schwacher und starker KI, sondern stellte auch die wesentlichen Meilensteine in der Entwicklung dieser Technologie dar. Dabei wies er auf das Ph\u00e4nomen hin, dass mit zunehmendem Fortschritt immer mehr Bereiche der schwachen KI zugeordnet w\u00fcrden, die vor ihrer Realisierung noch als starke KI gehandelt worden seien.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend erl\u00e4uterte Marcus die Funktionsweise eines Entscheidungsbaums anhand eines juristischen Beispiels. Ausgangspunkt hierf\u00fcr war ein Datensatz \u00fcber die Hinrichtung von H\u00e4ftlingen in den USA. Dieser enthielt verschiedenste Informationen \u00fcber die Personen selbst und dar\u00fcber, ob sie den ihnen zustehenden Rechtsweg ersch\u00f6pft hatten oder nicht. Anhand dieser Daten galt es, einen Decision Tree zu entwickeln, der m\u00f6glichst akkurate Vorhersagen \u00fcber die zu erwartende Rechtswegersch\u00f6pfung zuk\u00fcnftiger H\u00e4ftlinge treffen sollte. Anschlie\u00dfend schilderte Marcus weitere Anwendungsbeispiele von KI in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Dies f\u00fchrte zu der Frage, welche Berufe zuk\u00fcnftig durch KI ersetzt werden k\u00f6nnten. Bei juristischen T\u00e4tigkeiten ergab sich diesbez\u00fcglich ein geteiltes Bild.<\/p>\n<p>Insgesamt hat es Marcus geschafft, die komplexe Thematik der KI auf ihre Grundz\u00fcge zu konzentrieren und auch Zuh\u00f6rern ohne besondere technische Vorkenntnisse n\u00e4her zu bringen. So schuf er eine ideale Diskussionsgrundlage f\u00fcr die anstehende Pause. Bei Bagels von Teilchen &amp; Beschleuniger und Getr\u00e4nken von der Finne Brauerei diskutierte das bunt gemischte Publikum angeregt \u00fcber den ersten Vortrag des Abends.<\/p>\n<p>Nach der Pause ging es weiter mit der Pr\u00e4sentation von Tianyu Yuan. Er ist Founder und Executive Director von LEX superior und berichtete uns aus erster Hand \u00fcber die praktischen Anwendungsm\u00f6glichkeiten von Machine Learning im Rechtswesen. Zun\u00e4chst nutzte Tianyu aber die Gelegenheit, um die Zuh\u00f6rer \u00fcber den Einsatz von Technologie im Jurastudium zu befragen. Anschlie\u00dfend wandte er sich dem Machine Learning aus juristischer Perspektive zu. Tianyu argumentierte, dass selbst bei einer Automatisierung der juristischen Entscheidungsfindung die Erfassung des Sachverhalts nach wie vor eine rechtliche Wertung verlange. Ohne Subsumtion existiere schlicht kein Sachverhalt. Zudem problematisierte er, dass die Rechtsfindung eben nicht immer logisch sei.<\/p>\n<p>Um die Komplexit\u00e4t juristischer Subsumtion zu verdeutlichen, zeigte Tianyu die Schwierigkeiten auf, die bereits bei vermeintlich einfachen Rechtsbegriffen wie \u201eK\u00f6rperverletzung\u201c oder \u201eSache\u201c auftreten. Eine Automatisierung der Subsumtion durch Machine Learning in Form von supervised, unsupervised oder reinforcement learning sei zwar bis zu einem gewissen Grad m\u00f6glich, aber mit einem extrem hohen Aufwand verbunden. Zudem m\u00fcsste ein solches System laufend aktualisiert werden. Ein weiteres Problem sah Tianyu in der potenziell diskriminierenden Wirkung von KI, dem sog. algorithm bias. Hier m\u00fcsse man sich zwangsl\u00e4ufig die Frage stellen, ob man wirklich s\u00e4mtliche Entscheidungen den Algorithmen \u00fcberlassen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Nach dieser rechtlichen Perspektive folgte eine gemeinsame Diskussion von Marcus und Tianyu mit dem Publikum. Diese entwickelte sich in manchen Teilen sogar in ein richtiges Streitgespr\u00e4ch. Es ging insbesondere um M\u00f6glichkeiten, wie man zuk\u00fcnftig auch die Sachverhaltserfassung (z.B. nach einem Verkehrsunfall) mittels Sensoren automatisieren k\u00f6nnte. Zudem wurden die existierenden Prognosen bez\u00fcglich der Entwicklung einer starken KI kritisch hinterfragt.<\/p>\n<p>Damit war der offizielle Teil des Abends beendet. Es folgte ein lockerer Austausch zwischen den G\u00e4sten \u00fcber die zuvor aufgeworfenen Probleme. So diskutierten die anwesenden Juristen, Informatiker und weiteren Interessierten noch bis in die sp\u00e4ten Abendstunden \u00fcber die Herausforderungen der K\u00fcnstlichen Intelligenz f\u00fcr das Rechtswesen. Dieser interdisziplin\u00e4re Austausch hat uns nachhaltig beeindruckt.<\/p>\n<p>Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle unseren Sponsoren Noerr und Baker McKenzie, die auch an diesem Abend mit mehreren Anw\u00e4lten vor Ort mit diskutiert haben. Und schlie\u00dflich bedanken wir uns bei den beiden hervorragenden Speakern Marcus und Tianyu. Wir freuen uns \u00fcber die zahlreichen Themenvorschl\u00e4ge f\u00fcr zuk\u00fcnftige Veranstaltungen und arbeiten bereits flei\u00dfig an deren Umsetzung. Das durchweg positive Feedback best\u00e4rkt uns auf diesem Weg!<\/p>\n<p><em>Text: <a href=\"https:\/\/recode.law\/en\/author\/leonhard-weitz\/\">Leonhard Weitz<\/a><\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem im Januar bereits unser Kick Off-Event gro\u00dfen Anklang gefunden hatte, ging am 08.05.2019 der Legal Innovation Talk in die erste Runde. Thema des Abends war K\u00fcnstliche Intelligenz im Recht. Rund 80 G\u00e4ste hatten sich aus diesem Anlass im gro\u00dfen Gerichtssaal des Heereman\u2018schen Hofs in M\u00fcnster versammelt, der bis auf den letzten Platz besetzt war. 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