{"id":3673,"date":"2022-02-12T11:19:47","date_gmt":"2022-02-12T10:19:47","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=3673"},"modified":"2022-02-12T11:20:28","modified_gmt":"2022-02-12T10:20:28","slug":"3673-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/3673-2\/","title":{"rendered":"Vom Ende des analogen Referendariats \u2013 oder: Wie machen wir das Referendariat zukunftstauglich?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie k\u00f6nnen wir das Referendariat auf die Chancen &amp; Herausforderungen der Digitalisierung vorbereiten?! \u2013 das haben wir auf einer gemeinsam von recode.law und dem Deutschen Richterbund NRW organisierten Veranstaltung am 24.11.2021 diskutiert. Auf dem Panel waren als Speaker sowohl das Justizministerium NRW durch Stefanie R\u00fcntz vertreten, als auch Tianyu Yuan, einem Experten f\u00fcr Digitalisierung in der Juristenausbildung, und die Referendarin Larissa Fl\u00fcgge. Ferner wurde die Diskussion durch die intensive Beteiligung der Referendar:innen im Zuschauerraum mitgepr\u00e4gt, welche die zu diskutierenden Punkte durch ein Online-Voting bestimmten und sich im Chat und sp\u00e4ter auch durch Videoschalte an der Diskussion beteiligten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Veranstaltung bildet dabei den Auftakt f\u00fcr eine Folgeveranstaltung im Fr\u00fchjahr 2022 in D\u00fcsseldorf, bei welcher die gefundenen Ergebnisse vertieft werden. Wer Interesse an der Teilnahme bei dieser Veranstaltung hat, kann sich bei Dietmar Reiprich vom Deutschen Richterbund unter folgender E-Mail-Adresse melden:<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> \u25a0 di<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">etmar.reiprich@t-online.de<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Inhaltlich besch\u00e4ftigte sich die Diskussion zun\u00e4chst damit, wie die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Art &amp; Weise<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> des Referendariats modernisiert werden kann. Danach wurde er\u00f6rtert, inwiefern die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Inhalte<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> der Ausbildung und der Zweck des Referendariats den Anforderungen der Digitalisierung angepasst werden sollten. Das sogenannte E-Examen wurde bewusst aus der Diskussion ausgeklammert, da der Landtag erst k\u00fcrzlich beschloss, dass ab dem 1.1.2024 die M\u00f6glichkeit bestehen soll, das zweite Staatsexamen digital am Computer zu schreiben (wobei zun\u00e4chst auch die handschriftliche Ausarbeitung weiter m\u00f6glich bleibt).<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Die analogen Alltagssorgen im Referendariat\u2026<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Hinsichtlich des ersten Diskussionsblocks stand f\u00fcr die Zuschauer:innen die Nutzung einer Online-Lernplattform ganz oben auf der Agenda. Zum einen erhoffen sich die Referendar:innen dadurch, die komplizierte und st\u00f6ranf\u00e4llige \u00dcbermittlung der Lernunterlagen und Klausuren zu verbessern. Zum anderen k\u00f6nnte durch eine Online-Lernplattform der dezentralen Bereitstellung von Lehrinhalten, die je nach Ausbilder:in von Landgericht zu Landgericht stark schwankt, durch zentral aufbereitete und qualitativ hochwertige Unterlagen ersetzt bzw. erg\u00e4nzt werden. Das Justizministerium zeigte sich diesbez\u00fcglich offen und arbeitet bereits an der Einf\u00fchrung einer solchen Plattform, die auf dem von einigen Universit\u00e4ten genutzten System \u201eIlias\u201c beruhen soll. Auch die zentrale Gestaltung von hochwertigen Lernunterlagen wird angestrebt. Daf\u00fcr werden je OLG hauptamtliche Ausbilder:innen abgestellt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als weiterer Punkt wurde die Ausgestaltung des Online-Unterrichts diskutiert. Nach der zun\u00e4chst fehleranf\u00e4lligen Software Edudip, setzt das Ministerium nun auf die besser funktionierende Software BigBlueBotton. F\u00fcr die Zukunft d\u00fcrfte interessant sein, dass das Ministerium auch nach einem Ende der Pandemie den Online-Unterricht in geeigneten F\u00e4llen fortsetzen will. Das k\u00f6nnte vor allem f\u00fcr Gerichte mit einem hohen Pendleranteil interessant sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung eines freien WLAN in Gerichtsgeb\u00e4uden wird hingegen wegen des erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwands noch einige Zeit in Anspruch nehmen. F\u00fcr die Referendar:innen hat das Ministerium jedoch zumindest in den Ausbildungsr\u00e4umen mittels sogenannter Gigacubes die Voraussetzungen f\u00fcr die Internetnutzung geschaffen. Es liegt nun an den einzelnen Ausbildungsgerichten, diese M\u00f6glichkeiten zu nutzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Statt komplizierter \u00dcbermittlung mittels gesicherter USB-Sticks, w\u00fcnschen sich die Referendar:innen eine einfache Kommunikation mit ihren Ausbilder:innen. Das Justizministerium arbeitet daf\u00fcr an einer Cloud-L\u00f6sung, welche die Kommunikation vereinfachen soll und bereits bei einigen Landgerichten getestet wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Ziel: ein Referendariat, was uns auch inhaltlich auf die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung vorbereitet<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im zweiten Teil richtete sich der Diskussionsschwerpunkt weg von den Alltagsproblemen des Referendariats hin auf die Neuausrichtung der Ausbildung in <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Bezug auf innovative Inhalte und die Vermittlung von digitalen Kompetenzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend im ersten Block recht schnell Konsens zwischen den Beteiligten erzielt wurde, zeigte sich, dass mit der Modernisierung der Ausbildungsinhalte an den Grundfesten des Referendariats ger\u00fcttelt wird, wodurch sich naturgem\u00e4\u00df keine schnellen und einfachen Antworten erzielen lassen. Insbesondere wurde der in der Juristenausbildung generell bestehende Zielkonflikt zwischen einer praxisnahen und interessengeleiteten Ausbildung und dem Erreichen m\u00f6glichst guter Examensergebnisse deutlich. Referendar:innen stehen h\u00e4ufig vor der Frage, ob sie weitere Ausbildungsinhalte (z.\u00a0B. Legal Tech, k\u00fcnstliche Intelligenz, etc.) und Qualifikationen (EDV-Kenntnisse, soft skills, etc.) erlernen wollen oder diese Zeit f\u00fcr die Vorbereitung auf die Kerninhalte des Examens verwenden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Grunds\u00e4tzlich bestand Einigkeit darin, dass die Digitalisierung der Justiz in den n\u00e4chsten Jahren nur erfolgreich sein wird, wenn die Beteiligten diese als Chance begreifen und nicht nur die vermeintlichen Gefahren sehen. Die Entwicklung eines solchen \u201edigitalen Mindsets\u201c sollte daher auch im Referendariat vorgelebt werden, wobei Dissens dar\u00fcber bestand, wie dies konkret ablaufen k\u00f6nnte und ob dies nicht allein Aufgabe der Universit\u00e4ten sei.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Justizministerium zeigte sich aber grunds\u00e4tzlich offen daf\u00fcr, weitere Zusatzveranstaltung wie Legal Tech oder k\u00fcnstliche Intelligenz in das Referendariat aufzunehmen, ohne, dass dies f\u00fcr die Referendar:innen verpflichtend w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Weiter zu diskutieren bleibt auch, inwieweit die Pr\u00fcfungsinhalte an die digitale Lebensrealit\u00e4t (z.\u00a0B. Fristprobleme durch Nutzung des beA statt Fax; eAkte statt Papier) angepasst werden sollten und inwieweit das Referendariat auf die Nutzung konkreter Softwareanwendungen (z.\u00a0B. zum Erstellen staatsanwaltlicher Verf\u00fcgungen) vorbereiten kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Hinblick auf die Folgeveranstaltung zeigte sich auch der Deutsche Richterbund f\u00fcr eine Diskussion mit dem Ziel offen, die Ausbildungsinhalte des Referendariats generell zu entschlacken, der Praxis anzupassen und durch digital gepr\u00e4gte Ausbildungsinhalte zu erg\u00e4nzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Der Anfang ist gemacht, aber wo geht die Reise hin?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als Fazit k\u00f6nnen wir feststellen, dass vor allem bez\u00fcglich einer digitaleren Ausgestaltung des Referendariatsalltags der Handlungsbedarf durch das Ministerium erkannt wurde und wichtige Modernisierungen angestrebt und hoffentlich bald umgesetzt werden. \u00dcber die Einf\u00fchrung innovativer Ausbildungsziele und -inhalte wird noch weiter zu sprechen sein. Dabei k\u00f6nnen die gefundenen Ideen auf der Folgeveranstaltung weiter konkretisiert werden. Hier nochmal der Aufruf, sich an Dietmar Reiprich f\u00fcr eine Anmeldung zu wenden: \u25a0 dietmar.reiprich@t-online.de<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Insgesamt ist der offene Austausch und die Bereitschaft zur Ver\u00e4nderung aller Beteiligten hervorzuheben, was auf eine positive Ver\u00e4nderung im Interesse der Referendar:innen hoffen l\u00e4sst.<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen wir das Referendariat auf die Chancen &amp; Herausforderungen der Digitalisierung vorbereiten?! \u2013 das haben wir auf einer gemeinsam von recode.law und dem Deutschen Richterbund NRW organisierten Veranstaltung am 24.11.2021 diskutiert. Auf dem Panel waren als Speaker sowohl das Justizministerium NRW durch Stefanie R\u00fcntz vertreten, als auch Tianyu Yuan, einem Experten f\u00fcr Digitalisierung in [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":61,"featured_media":3674,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[50,64],"tags":[],"class_list":["post-3673","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-magazin","category-rechtspolitik"],"acf":[],"modified_by":"Gionatan Sole","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/61"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3673"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3677,"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3673\/revisions\/3677"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/recode.law\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}