{"id":5028,"date":"2023-05-05T18:09:20","date_gmt":"2023-05-05T17:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=5028"},"modified":"2023-05-07T13:47:32","modified_gmt":"2023-05-07T12:47:32","slug":"die-neue-normalitaet-ein-interview-mit-ypog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/die-neue-normalitaet-ein-interview-mit-ypog\/","title":{"rendered":"Die neue Normalit\u00e4t &#8211; ein Interview mit YPOG"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Rahmen einer Interviewreihe wollen wir hinter die Kulissen unserer Sponsoringpartner:innen schauen. Wie sieht es bei Ihnen aus &#8211; wie digital ist die Arbeitswelt und Einstellung bei Ihnen intern? Wir haben uns getroffen, telefoniert und geschrieben, um diese Frage zu beantworten und zu besprechen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir haben Rechtsanwalt Robert Schramm getroffen, Associate von YPOG in Berlin mit Expertise zum Thema Funds und Corporate. Das Interview wurde gef\u00fchrt durch Insa Ellerbroek.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Wie setzt du bei deiner Arbeit Legal Tech Tools ein?<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Bei unserer Arbeit gibt es zwei gro\u00dfe Bereiche, in denen wir Legal Tech einsetzen: Gegen\u00fcber dem Mandanten und bei der Arbeit in der Kanzlei. Die Anwaltsarbeit wird durch eine kluge Arbeitsorganisation unterst\u00fctzt, die einem die vorliegenden Aufgaben geb\u00fcndelt darstellt. In der Vertragsgestaltung kommt beispielsweise ein KI-Tool zum Einsatz, das in Word integriert ist und auf eine Datenbank vergleichbarer Klauseln zur\u00fcckgreift. Es leitet aus\u00a0 Mustern vergangener Vertr\u00e4ge ab, welche Klauseln folgen k\u00f6nnten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Legal Tech ist also f\u00fcr Euch keine Besonderheit, sondern ein normaler Teil des Systems. Wie digital man privat mit dem Handy umgeht, so passiert das nun auch in der Arbeit.\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Hier wird das als neue Normalit\u00e4t wahrgenommen und vorausgesetzt. Die Kanzlei ist jung, f\u00fchlt sich aber dennoch eingespielt an. Das baut Hemmschwellen ab und alle machen es so, deswegen machst du&#8217;s auch so. Bei jeder neuen Sache, die dazu kommt, kann man sich manchmal noch verschr\u00e4nken, aber das Legal Tech Fundament ist schon \u00fcberdurchschnittlich hoch.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Laut der &#8220;Future Ready Lawyer&#8221; Studie von Wolters Kluwer halten rund die H\u00e4lfte aller Kanzleien mangelndes technologisches Wissen, Verst\u00e4ndnis und F\u00e4higkeiten f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Widerstand gegen\u00fcber neuen Technologien. Kannst Du diese Beobachtung best\u00e4tigen? Wie wird das Problem bei Euch angegangen?<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Ich sehe das Problem auch. Anw\u00e4lte sind nicht daf\u00fcr bekannt, besonders flexibel zu sein, sie arbeiten sehr systematisch. Und so viel M\u00fche wie wir uns auch geben, an allen Stellschrauben drehen und Impulse setzen, auch wir haben mit klassischen Problemen zu k\u00e4mpfen. Wir machen auch Denkfehler und nutzen die Software teilweise nicht, auch wenn sie n\u00fctzlich w\u00e4re. Da ist die Frage: Wie viel Kapazit\u00e4t hast du in deinem Arbeitsalltag daf\u00fcr? Gerade im Berufseinstieg hast du noch etwas mehr Luft, man macht vieles zum ersten Mal und lernt viel. Da kannst du Prozesse aufbrechen und neue Tools ausprobieren. Wenn du dich darin ein-, zweimal ge\u00fcbt hast, dann geht es dir leicht von der Hand. Dann hast du einen Vorteil, weil du anders arbeitest. Je l\u00e4nger du arbeitest, desto mehr verschwindet diese Kapazit\u00e4t und desto mehr suchst du erst nach Alternativen, wenn du frustriert bist. Manche lesen sich nach Feierabend rein, aber daf\u00fcr m\u00fcssen die Umst\u00e4nde gut sein. Wenn du zu m\u00fcde bist, dann machst du das nicht mehr. Da spielt auch die Kanzlei rein: Je gr\u00f6\u00dfer die Kanzlei wird, desto unterschiedlicher arbeiten Leute. Und viele, die schon lange erfolgreich arbeiten, haben kein Verlangen nach Ver\u00e4nderung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Habt Ihr da als j\u00fcngere Kanzlei Startvorteile in Bezug auf die Umsetzung von Legal Tech?\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Intern brauchst du Mitstreiter, da kommt uns zugute, dass wir eine junge Kanzlei sind. Es gibt hier wenige festgefahrene Prozesse nach dem Motto \u201cDas machen wir immer so, das machen wir weiter so\u201d. Gerade im Fonds-Bereich oder im Transaktions-Bereich: Die Mandanten sind sehr offen f\u00fcr Neuerungen.Ein Gegenbeispiel w\u00e4ren da zum Beispiel Finanzinvestoren, die wenig Lust haben, neue Wege zu gehen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Ihr profitiert also auch von der Flexibilit\u00e4t, die eure Mandanten mitbringen?<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Ohne die Mandanten funktioniert es nicht. Dennoch gibt es bei den innovativen Tools auch fuck ups. Wenn die Technologie nicht funktioniert, dann kann man sauer werden. Dabei darf man nicht aus den Augen verlieren, dass selbst wenn die Tools auch mal l\u00e4nger brauchen, also wenn man in einem Tool statt 5 Minuten 20 Minuten gebraucht wird, dann ersetzt es aber viel l\u00e4ngere Handlungen wie der Gang zum Anwalt oder Notar. Wir sollten uns erlauben, Dinge immer wieder anders zu gestalten, auch wenn der Prozess nicht sofort perfekt funktioniert. Nach jedem Versuch ist man einen Schritt weiter im Verst\u00e4ndnis und den Umgang, als andere, die es gar nicht erst versuchen wollen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: W\u00fcrdest Du sagen, Legal Tech findet bisher eher in den technologisierten oder innovativen Bereichen Anwendung? Oder ist es auch in den traditionellen Branchen schon verbreitet, wie etwa Steuerrecht?\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Man st\u00f6\u00dft schon auf Grenzen, wenn man beispielsweise mit dem Finanzamt arbeitet. Auch wenn sie digitale L\u00f6sungen anbieten, kann es dann schwer sein, mit einem Online-Tool und Teams zu arbeiten. Meine Kollegen sind aber offen, die Dinge auch anders anzugehen. Die Materie und dein Counterpart beeinflussen es massiv. Wenn du einen Venture Fonds hast, sind die affiner f\u00fcr Innovation. Sie reden st\u00e4ndig mit Personen, die innovativ arbeiten, und erwarten es dann auch bei der Anwaltskanzlei.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Wie sehr ist dem Mandanten die Beteiligung von Technologie bewusst?<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Das kommt auf den Mandanten an. Gr\u00f6\u00dfere Konzerne finden es deshalb spannend, weil sie schauen, was f\u00fcr den eigenen Kunden von uns gelernt oder gar \u00fcbertragen werden kann. Viele Unternehmen in Deutschland h\u00e4ngen in der Au\u00dfenwahrnehmung weit hinterher. Manche Mandanten fragen, ob man das interne Tool auch f\u00fcr den Mandanten selbst aufsetzen kann. Das Onboarding Tool kann der Mandant selbst gestalten und dar\u00fcber kommunizieren. Einer Minderheit ist das nicht wichtig, denen kommt es auf die Resultate an. Aber die Anzahl der Mandanten, die das interessiert, ist h\u00f6her.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Ihr nutzt Legal Tech also auch bei der Kommunikation mit dem Mandanten?<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Auch das! Ma\u00dfgeblich ist: Pfleg deine internen Prozesse m\u00f6glichst digital und nutze jedes Legal Tech Tool, was dir YPOG anbietet. Wir haben alles, was ich auf dem Markt kenne und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann kann man nachfragen. Neben dem digitalen Auftritt nach au\u00dfen geht es auch darum, Tools zu nutzen, die dem Mandanten einen Mehrwert geben. Das f\u00fchrt dazu, dass die Client Experience gut ist &#8211; es ist auch kosteng\u00fcnstiger, es ist ein Abgrenzungskriterium.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Hier ein Beispiel: Nach au\u00dfen stellt die Kanzlei dar, wie der aktuelle Stand ist und wer gerade wie handeln muss, um das Projekt voranzutreiben. In einer Webapplication k\u00f6nnen die typischen 20 To-Dos, die sich aus der Projektarbeit ergeben, in einem Kanban-Board alle To-Dos dargestellt werden und auch, bei wem gerade was liegt. Es ist ganz \u00fcblich, dass man alle 2 Wochen Statuscalls hat, bei denen auf das Board zur\u00fcckgegriffen wird. Mit dem Board geht es gerade nicht um Micromanagement, sondern um die Frage, ob es richtig ist, die Aufgabe jetzt gerade dem Mandanten zuzuschreiben, oder sie selbst zu \u00fcbernehmen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es ersetzt eine aufw\u00e4ndig erstellte Excel-Tabelle, den \u201cStep-Plan\u201d, in dem aufw\u00e4ndig genau und h\u00e4ndisch dokumentiert wurde, wo das Projekt steht und wann was passieren soll. Das Excel-Dokument ist nicht flexibel und Verkn\u00fcpfungen in dem Dokument k\u00f6nnen sich durch Neueintragungen zerschie\u00dfen. Bei dem lebenden digitalen Tool ist der Stand stets einsehbar und alle schauen in das gleiche Dokument.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Bei Euch gibt es eine konkrete Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr den Bereich Legal Tech, Hariolf Wenzler leitet ihn. F\u00fchlst Du dich als Anwalt f\u00fcr das Thema auch zust\u00e4ndig?<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Ich sehe die Chancen, wie Legal Tech meinen Arbeitsalltag leichter macht. Ich bin aber kein gro\u00dfer Treiber des Legal Tech Bereichs, auch wenn ich mit den Teammitgliedern, auch mit denen im YSolutions Team, in gutem Kontakt stehe. Als junger Anwalt ist es f\u00fcr mich wichtig, mich auf meinem Terrain zurechtzufinden. Klar kann man sich ab Tag eins nur diesem Thema widmen, aber dann f\u00e4llt viel von der fachlichen Ausbildung hinten runter. Das Tagesgesch\u00e4ft von YPOG ist das einer Anwaltskanzlei &#8211; aber wir haben eben eine gro\u00dfe Legal-Tech-Affinit\u00e4t und machen da, glaube ich, viel mehr als andere es tun.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>recode.law: Legal Tech kann auch in die Ausbildung einbezogen werden, beispielsweise im Schwerpunktstudium oder einem L.L.M. Braucht man die Kenntnisse mittlerweile f\u00fcr den Beruf oder ist es eher Learning by Doing?<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schramm: Es hilft immer, wenn die Anwendung auf den Anwender zugeht. Die Mehrheit der Berufsanf\u00e4nger hat Ber\u00fchrungs\u00e4ngste und geht nicht den Schritt, sich das selbst beizubringen. Aber wenn man das nicht tut, dann bleibt man in einem altmodischen System, das nicht mehr lange bestehen bleibt. Unsere L\u00f6sungen in der Kanzlei bieten einfach einen besseren Zugriff oder Koordination. Das ist aber erst der Anfang.\u00a0 Ich glaube, dass der Beruf sich schneller als gedacht ver\u00e4ndern wird. Und je fr\u00fcher du dich damit auseinandersetzt, desto besser. H\u00e4tte ich vor 10 Jahren Lust gehabt auf Informatik, h\u00e4tte ich es auf jeden Fall studieren k\u00f6nnen. Selbst mir, der wahrscheinlich der klassische Jurastudent war, ist jetzt schon klar, dass du dich dem nicht einfach verschlie\u00dfen und es abtun kannst.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">YPOG<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i><span style=\"font-weight: 400;\">Standorte: 3 (Berlin, Hamburg, K\u00f6ln)<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i><span style=\"font-weight: 400;\">Mitarbeiter:innen: 250, davon 100 Berufstr\u00e4ger:innen<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i><span style=\"font-weight: 400;\">Praxisgruppen: Tax, Funds, Transactions, Corporate, Litigation, Notary Services, IP\/IT, Banking + Financial, Services Fintech + DLT<\/span><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Interviewreihe wollen wir hinter die Kulissen unserer Sponsoringpartner:innen schauen. 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