{"id":5063,"date":"2023-05-30T01:26:25","date_gmt":"2023-05-30T00:26:25","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=5063"},"modified":"2023-05-30T13:48:27","modified_gmt":"2023-05-30T12:48:27","slug":"legal-tech-in-der-kanzlei-von-der-entwicklung-bis-zur-anwendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/legal-tech-in-der-kanzlei-von-der-entwicklung-bis-zur-anwendung\/","title":{"rendered":"Legal Tech in der Kanzlei: Von der Entwicklung bis zur Anwendung"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Interviewreihe wollen wir hinter die Kulissen unserer Sponsoringpartner:innen schauen. Wie sieht es bei Ihnen aus &#8211; wie digital ist die Arbeitswelt und Einstellung bei Ihnen intern? Wir haben uns getroffen, telefoniert und geschrieben, um diese Frage zu beantworten und zu besprechen.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit PwC Legal erfahren wir, wie unsere Partnerkanzlei sowohl Legal Tech, als auch neue Techniken einsetzt. Ein paar Worte zu Karriere und Charakter von PwC Legal sind auch mit dabei!<\/p>\n<p>Wir haben Rechtsanw\u00e4ltin Katharina Pr\u00fcfert getroffen. Sie ist in den Bereichen Digitalisierung, Technologie und Legal Operations bei PwC Legal in D\u00fcsseldorf t\u00e4tig.<\/p>\n<p>[Autor: Friedrich Hautkapp]<\/p>\n<p><b>recode.law: Hallo Katharina, wie setzt Ihr bei PwC Legal bei Eurer Arbeit Legal Tech Tools ein?<\/b><\/p>\n<p>Katharina Pr\u00fcfert, PwC Legal: Bei der Erbringung unserer Rechtsdienstleistungen verkn\u00fcpfen wir Rechtsberatung mit Methoden und Werkzeugen aus anderen Disziplinen wie Data &amp; Analytics, K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) und Operations. Dies hilft Mandanten den Spagat zwischen steigender Komplexit\u00e4t und gleichzeitigem Kostendruck zu meistern.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten dieser &#8220;tech-enabled&#8221; Services sind vor allem im Bereich repetitiver und standardisierbarer Aufgaben sehr vielf\u00e4ltig. Hier liefert Legal Tech aufgrund von Automatisierung, industrialisierten Prozessen und exzellentem Management bessere Qualit\u00e4t als herk\u00f6mmliche L\u00f6sungen im selben Zeitintervall. Vor kurzem ist PwC eine strategische Allianz mit dem ChatGPT Ableger \u201cHarvey\u201d eingegangen, unsere Rechtsanw\u00e4lt:innen werden die Technologie nutzen, um ihre juristische Arbeit zu optimieren und effizienter zu gestalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>recode.law: Du sagst, dass Ihr Werkzeuge aus Data &amp; Analytics und KI verwendet und dass Ihr diese Technologien je nach Bedarf bei der Arbeit mit Mandant:innen einsetzt. Kannst Du uns f\u00fcr beide Technologien konkrete Beispiele nennen?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Sehr relevant sind solche Technologien f\u00fcr Human Resources Analytics. Wir beraten viel im Restrukturierungs- und M&amp;A-Bereich. Hier ben\u00f6tigen unsere Mandanten h\u00e4ufig Hochrechnungen und Skalierungen, um\u00a0 ihre Personalstruktur verbessern zu k\u00f6nnen. Das ist ein Bereich, der sehr greifbar ist. Durch den Einsatz von generativer KI sind aber durchaus auch weitere Anwendungsf\u00e4lle denkbar, wie Vertragsanalyse, Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, Forderungsmanagement und Due Diligence.<\/p>\n<p>Ein weiteres Feld, in dem Datenanalysen sehr interessant sind, sind Wertpapiergesch\u00e4fte. Dort wird die Rechtsberatung durch Analysen begleitet, um zu schauen, welchen Erfolg der Mandant erwarten kann.<\/p>\n<p><b>recode.law: Im Dezember letzten Jahres wurde in unserem Newsletter, dem New Law Radar, \u00fcber die Haftung f\u00fcr das Handeln einer K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) berichtet. Setzt Ihr die KI nur intern oder auch extern ein und welche Haftungsma\u00dfst\u00e4be gelten daf\u00fcr?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Hier stellt sich zun\u00e4chst die Frage, was KI \u00fcberhaupt ist. Im Endeffekt handelt es sich dabei um eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Aus meiner Sicht handelt es sich dabei bereits um KI, wenn wir Tools zur Vorbereitung von Schrifts\u00e4tzen oder zur Aufbereitung von Mandantendaten Auslesesoftware benutzen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieser Vorg\u00e4nge geben wir nicht weiter an die Mandant:innen. Wir haben durchg\u00e4ngig ein Vier-Augen-Prinzip, von dem uns auch keine KI entbindet.\u00a0 Aktuell setzen wir KI-basierte L\u00f6sungen vor allem bei vorbereitenden Ma\u00dfnahmen einer Rechtsberatungsleistung ein. Sollte es auch zu einem Einsatz im Rahmen der Rechtsberatung kommen, ist dies nat\u00fcrlich versichert.<\/p>\n<p><b>recode.law: Wie kommt Ihr bei PwC Legal zu diesen neuen technologischen L\u00f6sungen? Habt Ihr ein:e Innovationsmanager:in? Oder ist jede:r Mitarbeiter:in selber daf\u00fcr verantwortlich?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Wir haben ein Programm f\u00fcr &#8220;digitales Upskilling&#8221;, wodurch jede:r Mitarbeiter:in das Bewusstsein f\u00fcr technische M\u00f6glichkeiten bekommen soll. Die konkreten Projekte werden dann gemeinsam mit vielen anderen klugen K\u00f6pfen aus dem IT und Data Analytics Bereich umgesetzt. Wir Jurist:innen \u00fcbernehmen dabei dann nat\u00fcrlich den rechtlichen und inhaltlichen Part, wobei die ITler und Data Analyst:innen die technische L\u00f6sung umsetzen.<\/p>\n<p><b>recode.law: Du als Juristin hast also eine Idee und gibst diese dann an die IT Abteilung weiter?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Ja. Ich fungiere dabei als Mittlerin, die in einem Projekt die Anforderungen, die mir von den Anw\u00e4lt:innen geschildert werden, extrahiere und an unsere Digital Factory weiterleite. Diese ist\u00a0 quasi unser Think Tank.<\/p>\n<p>Die Digital Factory macht sich dar\u00fcber Gedanken, wie das Ganze im Projekt umgesetzt und dann wieder mit den Rechtsanw\u00e4lten getestet wird, bis irgendwann ein Tool oder ein Produkt daraus entstanden ist.<\/p>\n<p>Ganz aktuell gibt es beispielsweise ein Tool zur Verarbeitung von Massenverfahren. Dies ist aus einem Team hervorgegangen, welches Massenverfahren mit bestimmten Arbeitsschritten schneller bearbeiten wollte. Wir haben dann geschaut, welche Ans\u00e4tze wir bei PwC Legal schon vorr\u00e4tig haben und wie wir diese zusammenstellen k\u00f6nnen, um schlie\u00dflich eine L\u00f6sung zu finden, mit der wir am Markt schnell Massenverfahren bearbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel sind Chatbots. Mandant:innen stellen uns immer wieder die gleichen Fragen, was uns zu der \u00dcberlegung gebracht hat, wie wir die Beantwortung von immer wiederkehrenden Fragen vereinfachen k\u00f6nnen. Wir haben zwar ein FAQ, welches aber zu selten von\u00a0 Mandant:innen wahrgenommen wird. Was k\u00f6nnen wir dann machen? Wir k\u00f6nnten einen Chatbot bauen und diesem die Fragen beibringen, so dass der Chatbot schlie\u00dflich mit den Mandant:innen kommunizieren und die\u00a0 entsprechenden Fragen beantworten kann.<\/p>\n<p><b>recode.law: Laut &#8220;Future Ready Lawyer&#8221; Studie von Wolters Kluwer halten rund die H\u00e4lfte aller Kanzleien mangelndes technologisches Wissen, Verst\u00e4ndnis und F\u00e4higkeiten f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Widerstand gegen\u00fcber neuen Technologien. Kannst Du diese Beobachtung best\u00e4tigen? Wie wird das Problem bei PwC Legal angegangen?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Diese Beobachtungen kann ich nicht best\u00e4tigen. Mit unserem Digital Upskilling-Programm \u201cYour Tomorrow\u201d bieten wir unseren Mitarbeiter:innen die M\u00f6glichkeit, ihre digitalen Kompetenzen auszubauen. Ziel des Your Tomorrow-Programms ist es, alle Mitarbeiter:innen mit neuen F\u00e4higkeiten, Kenntnissen und Ressourcen auszustatten, um fit f\u00fcr die digitale Zukunft und den technologischen Wandel zu sein. Durch Online-Trainings erhalten unsere Mitarbeiter:innen so die M\u00f6glichkeit, ihr Skillset zu erweitern. Unsere Mitarbeiter:innen haben Zugang zu einer Vielzahl technischer L\u00f6sungen und lernen diese praxisbezogen anzuwenden.<\/p>\n<p><b>recode.law: Auf welche Skills und Programme fokussiert Ihr Euch bei der Weiterbildung der Anw\u00e4lt:innen? Gibt es vielleicht sogar schon einen Basis-Lernplan, den jeder einmal durchlaufen muss, um ein Technikbewusstsein zu bekommen?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Ja und nein. Abh\u00e4ngig von der Karrierestufe gibt es ein Curriculum, den Learner Pathway, in dem die Kolleg:innen bestimmte Arbeitsschritte und bestimmte Kurse absolvieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das Curriculum soll die Grundlagen der Data Analytics vermitteln. Wenn die Kolleg:innen dann an einer T\u00e4tigkeit Spa\u00df haben, k\u00f6nnen sie das Wissen in dem jeweiligen Bereich auch noch vertiefen und dann Digital Accelerator werden, je nach F\u00e4higkeiten und Interesse.<\/p>\n<p>Das Programm setzt sich zusammen aus Livetrainings und Trainings, die jeder selbst am Computer macht und ist immer wieder anders zusammengestellt, um eben auch darauf einzugehen, wie die Person in ihrem wirklichen Job arbeitet und sie dann auch upzuskillen.<\/p>\n<p><b>recode.law: Was verbindest Du mit dem Bereich \u201eLegal Tech\u201c? Und w\u00fcrdest Du Student:innen empfehlen, bestimmte Programme zu erlernen?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Mit Legal Tech verbinden viele &#8211; angehende \u2013 Jurist:innen eher futuristische, sie nicht unmittelbar betreffende Anwendungsbereiche wie z. B. den Robo-Judge. Leider verkennen viele &#8211; auch Praktiker:innen und Lehrende -, dass zu den Wirkungsbereichen von Legal Tech auch unterst\u00fctzende oder teilautomatisierte Anwendungen geh\u00f6ren, z. B. schlichte Dokumentenverwaltungs- bzw. verarbeitungsprogramme etc.<\/p>\n<p>Hinter dem Buzzword Legal Tech steckt daher mehr als nur ein Hype-Thema. Es betrifft die juristische Arbeit insgesamt und vermittelt interdisziplin\u00e4res, modernes und technologiebasiertes Know-how, das neben dem klassischen juristischen Handwerkszeug zur Grundausstattung von Jurist:innen geh\u00f6ren sollte.<\/p>\n<p>Da wir aktuell einen sehr gro\u00dfen Wandel in diesem Bereich haben, denke ich insgesamt jedoch nicht, dass man wirklich alles k\u00f6nnen muss. Wir haben immer unterschiedliche Hype-Themen und Hype-Tools. Man lernt das eigentlich nur, wenn man es auch praktisch anwendet. Das ist, als w\u00fcrdest du nur die Anleitung f\u00fcr Siedler von Catan lesen, ohne es gespielt zu haben. Da hast du mehr davon, ohne Anleitung zu spielen. Offen f\u00fcr Technologien sind die Student:innen von allein.<\/p>\n<p>Die jungen Leute haben auch eine ganz andere Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das ganze Drumherum, sei es z.B. Datenschutz oder IT Security. Und ich glaube nicht, dass es irgendetwas bringen wird, dar\u00fcber hinaus an den Hypes teilzunehmen. Mein Tipp ist: Studiert lieber erstmal Jura, und \u00fcberlegt euch, wie ihr sp\u00e4ter arbeiten wollt.<\/p>\n<p><b>recode.law: Die aktuellen Karriereratschl\u00e4ge im Bereich Legal Tech sind sehr unterschiedlich. Von der Pflicht zum Programmieren bis \u201enur Jura\u201c machen ist alles dabei.<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Pr\u00fcfert: Mach das, was dir Spa\u00df macht oder wo du das Gef\u00fchl hast, du kannst es. Denn egal was es ist, es bringt nichts, wenn du auf Teufel komm raus irgendwas lernst. Wenn du kein Arbeitsrecht magst, dann mach eben was anderes. Und genauso ist das eben auch bei Legal Tech.<\/p>\n<p>Es gibt viele Rechtsanw\u00e4lt:innen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die das \u00fcberhaupt nicht k\u00f6nnen und wahnsinnig gl\u00fccklich und erfolgreich sind. Ich denke, dass es einfach wichtig ist, zu gucken, was man in der konkreten Situation gebrauchen kann. Dann findet sich da schon die passende L\u00f6sung.<\/p>\n<p><b>recode.law: Was unterscheidet PwC Legal von einer mittelst\u00e4ndischen Kanzlei oder einer Gro\u00dfkanzlei?<\/b><\/p>\n<p>Pr\u00fcfert: Ein gro\u00dfer Vorteil gegen\u00fcber Kanzleien ist, dass wir unsere Digital Factory und vor allem aufgrund unserer Gr\u00f6\u00dfe auch die Manpower haben, technische L\u00f6sungen selbst zu entwickeln. Das ist nat\u00fcrlich etwas sehr Wertvolles, auf das man zur\u00fcckgreifen kann. Auch aufgrund der unterschiedlichen Entscheidungsstrukturen k\u00f6nnen diese Prozesse im Gegensatz zu einer Gro\u00dfkanzlei effizienter und nachhaltiger gef\u00f6rdert werden. Neben der klassischen Rechtsberatung setzen wir n\u00e4mlich vor allem auf interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit. Wir sind fest verankert in unserem weltweiten PwC-Netzwerk und arbeiten mit mehr als 270.000 Kolleg:innen aus den Bereichen Wirtschaftspr\u00fcfung, Steuer- und Unternehmensberatung zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>PwC Legal<\/i><\/p>\n<p><i>Standorte: 18 (national), weltweit mehr als 100<\/i><\/p>\n<p><i>Berufstr\u00e4ger:innen: Mehr als 245 in Deutschland<\/i><\/p>\n<p><i>Praxisgruppen: Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, Bau- und Immobilienrecht, Commercial, Datenschutz und Cybersecurity, Deals\/ M&amp;A, Energie- und Klimarecht, Financial Services, Gesellschaftsrecht, Global Transformations, Insolvenzen und Restrukturierung, IP\/IT, Kartell-, Vergabe- und Beihilfenrecht, Litigation und Arbitration, Nachfolge, Verm\u00f6gen und Stiftungen, Notariat, \u00d6ffentliches Wirtschaftsrecht, Steuer- und Wirtschaftsstrafrecht, Transformation der Rechtsabteilung<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Interviewreihe wollen wir hinter die Kulissen unserer Sponsoringpartner:innen schauen. 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