{"id":5082,"date":"2023-06-25T15:54:12","date_gmt":"2023-06-25T14:54:12","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=5082"},"modified":"2023-07-04T22:04:15","modified_gmt":"2023-07-04T21:04:15","slug":"interview-mit-dr-nikolai-warneke-und-frederic-kuhn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/interview-mit-dr-nikolai-warneke-und-frederic-kuhn\/","title":{"rendered":"Interview mit Dr. Nikolai Warneke und Fr\u00e9d\u00e9ric Kuhn"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Interviewreihe wollen wir hinter die Kulissen unserer Sponsoringpartner schauen. Wie sieht es bei Ihnen aus &#8211; wie digital ist die Arbeitswelt und Einstellung bei Ihnen intern? Wir haben uns getroffen, telefoniert und geschrieben, um diese Frage zu beantworten und zu besprechen.<\/p>\n<p>Wir haben Dr. Nikolai Warneke, Partner bei Noerr in Frankfurt im Bereich Banking &amp; Finance, und Fr\u00e9d\u00e9ric Kuhn, Senior Associate bei Noerr in D\u00fcsseldorf im Bereich Compliance &amp; Interne Untersuchungen getroffen. Das Interview wurde gef\u00fchrt durch Mika Hellmuth.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i>recode.law<\/i><\/b>: <b>Wie geht ihr das Thema Legal Tech als Kanzlei an? Wer besch\u00e4ftigt sich bei euch mit dem Bereich?<\/b><\/p>\n<p><b>Warneke und Kuhn:<\/b> Schwerpunktm\u00e4\u00dfig besch\u00e4ftigen sich bei uns ca. 10 Mitarbeiter mit dem Thema Legal Tech. Dieses Legal Tech \u201eKern-Team\u201c besteht vorwiegend aus IT\u2018lern\u00a0 und wird erg\u00e4nzt durch ca. 20 weitere Berater. Die Berater sind als sog. \u201eLegal Tech Ambassadors\u201c die Ansprechpartner in den jeweiligen Praxisgruppen f\u00fcr das Thema Legal Tech. Diese Ambassadors, die sich insbesondere f\u00fcr den Einsatz von Legal Tech in ihren speziellen Fachbereichen interessieren, also zum Beispiel in einem gesellschafts- oder arbeitsrechtlichen Kontext, fungieren als Schnittstelle. Sie kommunizieren in die einzelnen Fachbereiche die zur Verf\u00fcgung stehenden M\u00f6glichkeiten der Kanzlei im Bereich Legal Tech und kommunizieren gegen\u00fcber dem Legal Tech \u201eKern-Team\u201c, spezieller den ITlern, in welchem Fachbereichen welche konkreten Bed\u00fcrfnisse nach Legal Tech-L\u00f6sungen bestehen und wie eine konkrete Umsetzung aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i>recode.law<\/i><\/b>: <b>Habt ihr da ein konkretes Beispiel f\u00fcr uns?\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Warneke und Kuhn:<\/b> Ein Fachbereich, der sich bei uns schon l\u00e4nger stark mit Legal Tech auseinandersetzt, ist der Fachbereich Arbeitsrecht. Noerr hat hier ein eigenes Tool entwickelt, den \u201eNoerr Contractor Compliance Check\u201c. Die Initiative f\u00fcr dieses Tool, das die automatisierte \u00dcberpr\u00fcfung des Fremdpersonaleinsatzes in Unternehmen unter Compliance-Gesichtspunkten erm\u00f6glicht, stammt aus dem Fachbereich Arbeitsrecht und wurde mit Unterst\u00fctzung durch das Legal Tech Team dann technisch umgesetzt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es sich dabei um ein Tool handelt, das Mandanten kaufen und im Unternehmen anwenden k\u00f6nnen, gibt es auch Tools, die uns rein intern bei der Arbeit unterst\u00fctzen. Als Beispiel kann hier unser Fristentool genannt werden, welches vor allem im Litigation-Bereich Anwendung findet. In diesem Tool verwalten wir seit einigen Jahren alle f\u00fcr die Prozessf\u00fchrung relevanten Fristen rein digital. Das klingt erst mal nach keiner gro\u00dfen Sache, war aber intern ein Riesenschritt. F\u00fcr die F\u00fchrung eines Fristenbuches gibt es von der Rechtsprechung ganz klare Vorgaben, wie dieses auszusehen hat, um in Zweifelsf\u00e4llen als Entlastungsbeweis dienen zu k\u00f6nnen. Aufgrund dieser enormen Relevanz muss da wirklich von der ersten Sekunde an alles perfekt funktionieren, gerade auch in der \u00dcbergangsphase. Hier sieht man sehr gut, dass der Einsatz von Legal Tech Tools oft zwei Seiten hat. Zum einen stellt der Einsatz eine gro\u00dfe Chance und Arbeitserleichterung dar, zum anderen ist aber auch die sorgf\u00e4ltige Anlegung und \u00dcberwachung enorm wichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>recode.law: Wo wir beim Thema zweischneidig sind: Als eines der klassischen Bedenken gegen den Einsatz von Legal Tech L\u00f6sungen wird oft die angebliche Bef\u00fcrchtung von Anw\u00e4lten genannt, dass Ihnen dieser die Arbeit wegnehmen k\u00f6nnte. Gerade bei Tools, die den Mandanten direkt zur Verf\u00fcgung gestellt werden, wie zum Beispiel der Noerr Contractor Compliance Check ist diese Bef\u00fcrchtung auf den ersten Blick ja auch nicht ganz fernliegend. Wie seht ihr das? Teilt ihr diese Bedenken?<\/b><\/p>\n<p><b>Kuhn:<\/b> Die Diskussion in diesem Bereich dreht sich ja oft um die Frage, ob Legal Tech irgendwann die Anwaltschaft ersetzen wird. In manchen Bereichen, insbesondere im Verbraucherschutzrecht, wie zum Beispiel den ganzen Fluggastrechtf\u00e4llen oder anderen Massenverfahren, werden Legal Tech-L\u00f6sungen zunehmend massiven Einfluss auf die Kanzleibranche haben und k\u00f6nnen den klassischen Rechtsanwalt sicherlich teilweise ersetzen. Das ist deshalb der Fall, weil alle diese F\u00e4lle auf Sachverhaltsebene sehr \u00e4hnlich sind und sowohl rechtlich als auch prozessual immer nach einem \u00e4hnlichen Schema ablaufen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Rechtsbereiche, die sich auf einem so hoch spezialisierten Niveau befinden, dass ein \u201eErsetzen\u201c der anwaltlichen T\u00e4tigkeit hier meiner Meinung \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich ist. Genau in diesen Bereichen sind wir als Gro\u00dfkanzlei ganz \u00fcberwiegend t\u00e4tig. Auch hier gibt es dann ein paar Stellen im Beratungsablauf, an welchen Legal Tech-L\u00f6sungen unterst\u00fctzend zur Anwendung kommen und diese M\u00f6glichkeit nutzen wir bei Noerr auch intensiv. Die Beratung ver\u00e4ndert sich dadurch zu einem gewissen Grad und wird an vielen Stellen effizienter. Gerade deshalb hat man dann aber auch die Zeit, sich mit den tieferen juristischen Problemen des Einzelfalls noch intensiver zu besch\u00e4ftigen, was Mandanten aufgrund der technischen Entwicklung dann auch erwarten.<\/p>\n<p><b>Warneke: <\/b>Ich sehe das ganz \u00e4hnlich. Zum einen sind die Bereiche, die durch Legal Tech Tools ersetzt werden k\u00f6nnen, dann auch oft Bereiche, auf die man als Anwalt selbst eher wenig Lust hat und ganz froh ist, dass einem die Arbeit hier abgenommen wird. Zum anderen wird von denen, die die Bef\u00fcrchtung \u00e4u\u00dfern, Legal Tech w\u00fcrde den Anwalt ersetzen, oft \u00fcbersehen, dass viele dieser Bereiche fr\u00fcher in der rechtlichen Beratung \u00fcberhaupt nicht existiert haben. Zum Beispiel bei den Fluggastrechtef\u00e4llen hat sich eine rechtliche Beratung aufgrund der niedrigen Betr\u00e4ge vor dem Einsatz von Legal Tech oft gar nicht gelohnt. Im Arbeitsbereich einer Gro\u00dfkanzlei betrifft das zum Beispiel die Due Diligence, die fr\u00fcher in dem Umfang wie wir sie heute aufgrund der Unterst\u00fctzung durch Legal Tech Tools durchf\u00fchren k\u00f6nnen, gar nicht m\u00f6glich war. Legal Tech ver\u00e4ndert dadurch vielmehr die juristische Arbeit und macht sie effizienter. Dadurch zwingt uns Legal Tech auch dazu, immer wieder dar\u00fcber nachzudenken, ob unsere internen Workflows noch effizient, ad\u00e4quat und angemessen sind, was uns am Ende zu besseren Beratern und Anw\u00e4lten macht.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt schafft Legal Tech auch ganz neue Beratungsfelder, man denke an das sehr beratungsintensive Datenschutzrecht oder die juristischen Probleme im Bereich KI.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>recode.law: <\/b><b><i>Laut der &#8220;Future Ready Lawyer&#8221; Studie von Wolters Kluwer halten rund die H\u00e4lfte aller Kanzleien mangelndes technologisches Wissen, Verst\u00e4ndnis und F\u00e4higkeiten f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Widerstand gegen\u00fcber neuen Technologien. K\u00f6nnt ihr diese Beobachtung best\u00e4tigen? Wie wird das Problem bei Euch angegangen?\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><b>Warneke: <\/b>Auch wir sehen das Problem. Bei fast jeder neuen Entwicklung gibt es gewisse \u201eBeharrungskr\u00e4fte\u201c und Leute, die dem erst mal skeptisch gegen\u00fcber eingestellt sind. Unsere Strategie ist es hier, gezielt mit denen voranzugehen und diejenigen zu motivieren, die Lust darauf haben, mitzumachen und etwas zu ver\u00e4ndern. Anhand der dadurch entstehenden positiven Beispiele wie dem oben erw\u00e4hnten \u201eContractor Compliance Check\u201c, der in der Branche regen Anklang findet, k\u00f6nnen wir dann intern konkret die M\u00f6glichkeiten und Chancen aufzeigen und dadurch auch noch eher Skeptischere motivieren.<\/p>\n<p><b>Kuhn:<\/b> Wir haben intern wirklich eine ganze Bandbreite an M\u00f6glichkeiten und Formaten, um den Interessierten den Zugang zu erleichtern und eine Weiterbildung zu erm\u00f6glichen. Neben den eher klassischen M\u00f6glichkeiten wie Workshops, Webinaren und E-Learning zum Thema Legal Tech haben wir f\u00fcr Mitarbeiter, die sich besonders daf\u00fcr interessieren, im vorletzten Jahr die \u201eLegal Innovation Academy\u201c ins Leben gerufen. Hier bieten wir vertiefende Workshops zu den M\u00f6glichkeiten von Legal Tech an und erarbeiten in Kleingruppen, in welchen Bereichen unserer Arbeit wir diese zum Einsatz bringen k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus laden wir zum Beispiel im Format \u201eLegal Tech High Tea\u201c externe Gespr\u00e4chspartner aus ganz unterschiedlichen Branchen ein, die dann vorstellen, wie bei Ihnen mit Legal Tech umgegangen wird. Dieser vernetzte Ansatz bietet dann nochmals eine ganz andere Perspektive.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>recode.law:<\/b><b><i> Legal Tech kann auch in die Ausbildung einbezogen werden, beispielsweise im Schwerpunktstudium oder einem L.L.M. Braucht man die Kenntnisse mittlerweile f\u00fcr den Beruf oder ist das eher Learning by Doing?<\/i><\/b><\/p>\n<p><b>Kuhn:<\/b> Wenn die M\u00f6glichkeit besteht, sich mit dem Bereich schon im Studium zu besch\u00e4ftigen, ist das meiner Meinung nach auf jeden Fall etwas, dass man nutzen sollte. Das Thema wird immer wichtiger und man kommt im Berufsleben zwangsl\u00e4ufig damit in Ber\u00fchrung.<\/p>\n<p><b>Warneke:<\/b> Ich w\u00fcrde das Ganze sogar noch etwas breiter betrachten. Meine Erfahrung aus den letzten Jahren ist es, dass eine der wichtigsten Kernkompetenzen \u00fcberhaupt ist, als Experte auf einem Gebiet, wie wir als Anw\u00e4lte es im juristischen Bereich sind, mit Experten auf anderen Gebieten konstruktiv zusammen arbeiten zu k\u00f6nnen. Dieses interdisziplin\u00e4re Arbeiten wird immer wichtiger und ist meiner Meinung nach auch einfach eine \u00dcbungssache. M\u00f6glich ist das aber nur, wenn man sich ein gewisses Grundverst\u00e4ndnis f\u00fcr die Arbeitsweise von Experten auf anderen Gebieten aneignet. Hier ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich mit Legal Tech zu besch\u00e4ftigen, gerne auch schon im Studium, da das eine der heute relevantesten Verbindungen zwischen verschiedenen Disziplinen darstellt. Die Besch\u00e4ftigung mit solchen interdisziplin\u00e4ren Bereichen hilft einem nebenbei dann auch oft unterbewusst, sein eigenes Fachgebiet noch besser zu verstehen, da man mit ganz anderen Fragen konfrontiert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i>Noerr Partnerschaftsgesellschaft mbB<br \/>\n<\/i><i>Standorte: 15 weltweit, davon 6 in Deutschland<br \/>\n<\/i><i>Anzahl der Berater:innen: 500+ (1100 Mitarbeiter:innen)<br \/>\n<\/i><i>Praxisgruppen: in allen Bereichen des Wirtschaftsrechts<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Interviewreihe wollen wir hinter die Kulissen unserer Sponsoringpartner schauen. Wie sieht es bei Ihnen aus &#8211; wie digital ist die Arbeitswelt und Einstellung bei Ihnen intern? Wir haben uns getroffen, telefoniert und geschrieben, um diese Frage zu beantworten und zu besprechen. 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