{"id":9004,"date":"2026-02-18T23:41:26","date_gmt":"2026-02-18T22:41:26","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=9004"},"modified":"2026-02-18T23:41:26","modified_gmt":"2026-02-18T22:41:26","slug":"newlawradar-92-26-digital-service-act-ki-im-rechtsmarkt-vibe-coding-in-der-rechtsberatung-benchmark-bericht-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/newlawradar-92-26-digital-service-act-ki-im-rechtsmarkt-vibe-coding-in-der-rechtsberatung-benchmark-bericht-2026\/","title":{"rendered":"NewLawRadar 92\/26: Digital Service Act &#8211; KI im Rechtsmarkt &#8211; Vibe-Coding in der Rechtsberatung &#8211; Benchmark-Bericht 2026"},"content":{"rendered":"<div>\n<p data-end=\"18\" data-start=\"0\">Liebe Leser:innen,<\/p>\n<p data-end=\"206\" data-start=\"20\">herzlich willkommen zur aktuellen Ausgabe unseres Newsletters, in dem wir Euch einen kompakten \u00dcberblick \u00fcber aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Recht und Technologie geben.<\/p>\n<p data-end=\"979\" data-start=\"208\">In dieser Ausgabe des NewLawRadar beleuchten wir die fortschreitende Durchsetzung des Digital Services Act und die laufenden Verfahren gegen gro\u00dfe Plattformanbieter. Au\u00dferdem werfen wir einen Blick auf neue Dynamiken im Legal-Tech-Markt &#8211; von spezialisierten KI-Plugins bis hin zu deren Auswirkungen auf etablierte Anbieter.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Wandel juristischer Berufsbilder durch KI und dem Potenzial von\u00a0\u201eVibe Coding\u201c in Kanzleien. Erg\u00e4nzend stellen wir aktuelle Zahlen zur Nutzung von Legal Tech in kleineren Kanzleien vor und zeigen mit der Student Driven University, wie praxisnahe Weiterbildung im juristischen Kontext aussehen kann. Abgerundet wird die Ausgabe durch einen Veranstaltungs-Tipp rund um den Einsatz von KI in der Vertragspr\u00fcfung.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wir w\u00fcnschen euch viel Freude beim Lesen und freuen uns \u00fcber Feedback an <a href=\"mailto:radar@recode.law\" data-cke-saved-href=\"mailto:radar@recode.law\">radar@recode.law<\/a>!<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Euer recode.law-Team<\/p>\n<\/div>\n<p>Redaktion: <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/elena-suppinger-b798ba29a\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/elena-suppinger-b798ba29a\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Elena<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/felix-ruyter-13393b154\/?mc_cid=f91d12cf5f\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/felix-ruyter-13393b154\/?mc_cid=f91d12cf5f\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Felix<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/florian-friedrich-korte-0663a228b\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/florian-friedrich-korte-0663a228b\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Florian<\/a>,\u00a0Jonas,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/magacs\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/magacs\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marco<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/patrick-fett-00535464\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/patrick-fett-00535464\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Patrick<\/a>\u00a0und <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/victoria-burger-3378182a5\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/victoria-burger-3378182a5\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Victoria<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<h5><\/h5>\n<h5 class=\"null\">Digital Service Act<\/h5>\n<h3 class=\"null\">Durchsetzung nimmt weiter Fahrt auf<\/h3>\n<p dir=\"ltr\">Nachdem die EU erst Anfang Dezember 2025 eine Rekordstrafe von 120 Millionen Euro gegen X wegen massiver Transparenzm\u00e4ngel verh\u00e4ngt und so f\u00fcr angespannte\u00a0Beziehungen zu den USA gesorgt hat, l\u00e4sst sich die Kommission bei der Anwendung des Digital Services Act (DSA) nicht einsch\u00fcchtern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/kanzleien-unternehmen\/k\/sexualisierte-ki-bilder-x-grok-verfahren-eu-kommission\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/kanzleien-unternehmen\/k\/sexualisierte-ki-bilder-x-grok-verfahren-eu-kommission\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">X im Visier wegen KI-Risiken<\/a><\/p>\n<p>So hat die Kommission ein neues Verfahren gegen X eingeleitet, um zu pr\u00fcfen, ob Elon Musks Unternehmen die Risiken bei der Einf\u00fchrung seines KI-Tools unzureichend bewertet und reduziert und damit seine Pflichten aus dem DSA verletzt hat. Konkreter Anlass ist der Skandal um sexualisierte KI-Bilder des in die Online-Plattform integrierten Chatbots Grok, die teils sogar Minderj\u00e4hrige darstellten. X drohen Geldbu\u00dfen in H\u00f6he von bis zu sechs Prozent des Vorjahresumsatzes. W\u00e4hrend weitere Verfahren wegen mangelhafter Moderation und des Risikomanagements illegaler Inhalte laufen, betont die Kommission, dass eine Deaktivierung des Dienstes nur das letzte Mittel bleibe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/eu-kommission-verfahren-tiktok-dsa-suchtpotenzial\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/eu-kommission-verfahren-tiktok-dsa-suchtpotenzial\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">TikTok: Kampf gegen das Suchtpotenzial<\/a><\/p>\n<p>Weiter vorangeschritten ist das Verfahren gegen TikTok. Vorl\u00e4ufige Ergebnisse einer EU-Untersuchung zeigen, dass Mechanismen wie stark personalisierte Empfehlungen und das ununterbrochene automatische Abspielen von Videos suchtf\u00f6rdernd sind und die Videoplattform so gegen den DSA verst\u00f6\u00dft. Die Kommission will das Verfahren nun weiter vorantreiben. TikTok k\u00f6nnte verpflichtet werden, wirksame Bildschirmzeitpausen einzuf\u00fchren, den Empfehlungsalgorithmus anzupassen und das \u201eInfinite Scrolling\u201c zu deaktivieren. Sollte keine einvernehmliche L\u00f6sung gefunden werden, droht TikTok wie X eine Strafe in H\u00f6he von bis zu sechs Prozent des j\u00e4hrlichen Konzernumsatzes.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Daneben bestehen Sorgen, dass TikTok als Tochter des chinesischen Konzerns ByteDance Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergeben, bestimmte politische Str\u00f6mungen bevorzugen und Wahlen beeinflussen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.horizont.at\/digital\/news\/dsa-whatsapp-muss-sich-an-strengere-eu-digitalregeln-halten-100698\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.horizont.at\/digital\/news\/dsa-whatsapp-muss-sich-an-strengere-eu-digitalregeln-halten-100698\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">WhatsApp-Kan\u00e4le fallen unter DSA<\/a><\/p>\n<p>Der DSA ist nun auch auf die offenen Kan\u00e4le von WhatsApp anwendbar, nachdem die Nutzerzahlen die entscheidende Schwelle erreicht haben. Private Chatnachrichten sind davon nicht betroffen. Meta hat bis Ende Mai Zeit, die Einhaltung der EU-Digitalregeln auf diesem Teil von WhatsApp sicherzustellen.<\/p>\n<p>Daneben l\u00e4uft gegen Meta wegen Whatsapp bereits ein Wettbewerbsverfahren. Meta wird vorgeworfen, nur seinen eigenen KI-Assistenten auf WhatsApp zu erlauben und anderen Anbietern den Zugang zu versperren. Auch die beiden anderen Meta-Dienste Instagram und Facebook waren schon Gegenstand von Verfahren: Im vergangenen Jahr verh\u00e4ngte die Kommission eine Strafe in H\u00f6he von 200 Millionen Euro wegen Wettbewerbsverst\u00f6\u00dfen der beiden Dienste. Au\u00dferdem laufen Verfahren wegen der Verbreitung verbotener Inhalte. Das f\u00fchrte zu heftigen Vorw\u00fcrfen von Meta-Chef Zuckerberg und US-Pr\u00e4sident Trump.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Verfahren gegen TikTok und X werden nun zur Belastungsprobe daf\u00fcr, wie weit die Durchsetzungskraft des DSA tats\u00e4chlich reicht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">\n<hr \/>\n<h4><\/h4>\n<h5 class=\"null\">KI im Rechtsmarkt<\/h5>\n<h3 class=\"null\">Anthropics &#8220;Legal&#8221;-Plugin<\/h3>\n<p dir=\"ltr\">Dass der KI-Markt volatil sein kann, hat im Februar auch der Rechtsmarkt erlebt. Nachdem Anthropic am 5. Februar 2026 sein neuestes Modell \u201eClaude Opus 4.6\u201c und auch\u00a0ein \u201eLegal-Plugin\u201c f\u00fcr Claude Cowork ausgerollt\u00a0hatte, st\u00fcrzten die Kurse gleich mehrerer LegalTech-Unternehmen (darunter Thomson Reuters und Wolters Kluwer) um<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/anthropic-legal-plug-in-claude-ai-keine-revolution\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/anthropic-legal-plug-in-claude-ai-keine-revolution\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> zeitweise bis zu 18 Prozent<\/a> ab.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Aber was kann das<a href=\"https:\/\/claude.com\/plugins\/legal\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/claude.com\/plugins\/legal\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> \u201eLegal\u201c-Plugin<\/a>? Kurz gesagt ist es ein Set standardisierter Commands, das typische Inhouse-Routinen (Intake, Triage, First-Pass-Review, Standardantworten) in einen wiederholbaren Ablauf gie\u00dfen soll.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Auf der Oberfl\u00e4che wirkt das Plugin, hinter dem als<a href=\"https:\/\/github.com\/anthropics\/knowledge-work-plugins\/tree\/main\/legal\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/github.com\/anthropics\/knowledge-work-plugins\/tree\/main\/legal\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> OpenSource verf\u00fcgbare Prompts<\/a> stehen, zun\u00e4chst unspektakul\u00e4r. Spannend ist aber, dass das System playbook- und risikotoleranz-getrieben ist. Die Konfiguration liegt also in der Hand der Nutzer. Das Plugin bietet zusammengefasst\u00a0Best Practices als Paket, das Teams anpassen und intern weiterreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Hier liegt auch die vermeintliche Schw\u00e4che des Legal-Plugins. Es beherrscht zwar den sogenannten Workflow-Layer, den<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/commentary\/breakingviews\/ai-apocalypse-trade-has-buggy-logic-2026-02-04\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.reuters.com\/commentary\/breakingviews\/ai-apocalypse-trade-has-buggy-logic-2026-02-04\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Authority-Layer<\/a> deckt es allerdings nicht ab. Das meint: Zitierf\u00e4hige, aktualisierte Rechtsinformation (Rechtsprechung und Literatur) kennt das Plugin ebenso wenig wie Quellen- und Versionssicherheit. An dieser Stelle sind die \u201eklassischen\u201c LegalTech-Anbieter, die zuletzt vermehrt Kooperationen mit juristischen Fachverlagen verk\u00fcnden konnten, einen Schritt voraus.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ebenso haben diese die Nase vorne bei f\u00fcr Jurist:innenr<a href=\"https:\/\/legal-tech-verzeichnis.de\/legal-tech-nachrichten\/anthropic-und-das-legal-plugin-fuer-claude-einordnung-nutzen-und-marktfolgen\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/legal-tech-verzeichnis.de\/legal-tech-nachrichten\/anthropic-und-das-legal-plugin-fuer-claude-einordnung-nutzen-und-marktfolgen\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> entscheidenden Fragen<\/a>: Wie steht es um Vertraulichkeit und Mandatsgeheimnis? Wo werden die Daten gespeichert und wie werden sie gesch\u00fctzt? Ist das mit dem anwaltlichen Berufsrecht, insb<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/brao\/__43e.html?utm_source=chatgpt.com\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/brao\/__43e.html?utm_source=chatgpt.com\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">. \u00a7 43e BRAO<\/a>, vereinbar? Wie l\u00e4sst sich das Tool in meine bestehenden Systeme integrieren?<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es wird allemal spannend zu sehen sein, ob und wie die \u201eetablierten\u201c Anbieter reagieren. Jedenfalls setzt Anthropic nach<a href=\"https:\/\/openai.com\/de-DE\/index\/introducing-chatgpt-health\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/openai.com\/de-DE\/index\/introducing-chatgpt-health\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> ChatGPT-Health<\/a> einen Trend fort, nach dem die Anbieter von Foundation-Models zunehmend \u201espezialisierte\u201c Tools pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">\n<hr \/>\n<h5><\/h5>\n<h5 class=\"null\">Vibe-Coding in der Rechtsberatung<\/h5>\n<h3 class=\"null\">Wie k\u00fcnstliche Intelligenz das juristische Berufsbild ver\u00e4ndert und neue technische Schnittstellen er\u00f6ffnet<\/h3>\n<p dir=\"ltr\">Seit k\u00fcnstliche Intelligenz allgemein am Markt verf\u00fcgbar ist, gewinnt ihr Einsatz auch in der Rechtsberatung zunehmend an Bedeutung. Kanzleien und Rechtsabteilungen nutzen KI-Systeme zur Erstellung und Strukturierung juristischer Schriftst\u00fccke.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Diese Entwicklung ver\u00e4ndert die beruflichen Anforderungen an Juristen grundlegend. Eine sachgerechte Berufsaus\u00fcbung setzt ein fundiertes Verst\u00e4ndnis der Funktionsweise und Grenzen k\u00fcnstlicher Intelligenz voraus, um deren Ergebnisse kritisch zu pr\u00fcfen und eigenverantwortlich juristisch einzuordnen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Allgemein zug\u00e4ngliche KI-Tools eignen sich f\u00fcr zahlreiche standardisierte Arbeitsabl\u00e4ufe, etwa f\u00fcr die Strukturierung von Argumentationslinien oder die sprachliche Vorformulierung. Bei spezialisierten, normativ komplexen oder dogmatisch anspruchsvollen Fragestellungen sto\u00dfen solche Systeme jedoch regelm\u00e4\u00dfig an Grenzen. Insbesondere dort, wo systematische Koh\u00e4renz, pr\u00e4zise Subsumtion oder die Ber\u00fccksichtigung differenzierter Rechtsprechungslinien erforderlich sind, bedarf es weiterhin vertiefter juristischer Expertise.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Vor diesem Hintergrund haben unter anderem gr\u00f6\u00dfere Kanzleien ma\u00dfgeschneiderte technische L\u00f6sungen entwickelt. Dies gilt vor allem f\u00fcr wiederkehrende, zugleich aber spezifische Anwendungsf\u00e4lle, die von allgemein verf\u00fcgbaren KI-Systemen nicht hinreichend erfasst werden. Verf\u00fcgt eine Kanzlei \u00fcber eine eigene IT-Abteilung, kann diese entsprechende Anwendungen konzipieren und implementieren. Gleichwohl treten strukturelle Spannungen auf: IT-Fachkr\u00e4fte verf\u00fcgen nicht notwendigerweise \u00fcber die erforderliche juristische Dogmatikkenntnis, w\u00e4hrend Juristen regelm\u00e4\u00dfig die technischen Umsetzungsm\u00f6glichkeiten fehlen. Die Schnittstelle zwischen Recht und Technik wird damit selbst zu einem Organisations- und Kompetenzproblem.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">In diesem Kontext gewinnt das sogenannte \u201eVibe Coding\u201c an Bedeutung. Darunter wird die M\u00f6glichkeit verstanden, dass Juristen mithilfe allgemein zug\u00e4nglicher KI-Systeme eigenst\u00e4ndig einfache technische Anwendungen entwickeln. Ziel kann entweder die unmittelbare L\u00f6sung eines konkreten Problems oder die Erstellung eines funktionsf\u00e4higen Prototyps sein. Ein solcher Prototyp dient nicht selten als pr\u00e4zise Anforderungsskizze f\u00fcr die weitere Zusammenarbeit mit Informatikern. Er erleichtert die \u00dcbersetzung juristischer Problemstellungen in technische Spezifikationen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">International, insbesondere im englischsprachigen Raum, ist dieses Ph\u00e4nomen bereits deutlich ausgepr\u00e4gt. Dort bilden sich spezialisierte Communities, die juristische Problemfelder identifizieren und eigenst\u00e4ndig technische L\u00f6sungen entwickeln. Plattformen wie \u201e<a href=\"https:\/\/www.legalquants.com\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.legalquants.com\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">LegalQuants<\/a>\u201c erm\u00f6glichen es Juristen, Projekte kostenfrei miteinander zu teilen. Angeboten werden etwa Anwendungen, die Fu\u00dfnoten wissenschaftlicher Beitr\u00e4ge extrahieren, mit Quellen abgleichen und deren Existenz \u00fcberpr\u00fcfen, oder Programme zur Analyse von \u201eTerms and Services\u201c, die risikobehaftete Klauseln hervorheben und in verst\u00e4ndlicher Sprache erl\u00e4utern.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">In Deutschland ist eine vergleichbare Entwicklung bislang nur eingeschr\u00e4nkt zu beobachten. Der Umgang mit technischen Innovationen im juristischen Kontext ist weiterhin von Zur\u00fcckhaltung gepr\u00e4gt. Dabei k\u00f6nnten entsprechende Initiativen dazu beitragen, Routineaufgaben effizienter zu gestalten, Ressourcen gezielter einzusetzen und juristische Arbeitsprozesse insgesamt zug\u00e4nglicher zu machen. Langfristig k\u00f6nnte sich hieraus ein ver\u00e4ndertes Berufsbild entwickeln, das juristische Fachkompetenz und technisches Grundverst\u00e4ndnis st\u00e4rker miteinander verbindet.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">\n<hr \/>\n<h5><\/h5>\n<h5 class=\"null\">Benchmark-Bericht 2026<\/h5>\n<h3 class=\"null\">Wolters Kluwer ver\u00f6ffentlicht Bericht \u00fcber Legal-Tech Nutzung\u00a0in kleineren Kanzleien<\/h3>\n<p dir=\"ltr\">The <a href=\"https:\/\/assets.contenthub.wolterskluwer.com\/api\/public\/content\/3083298-benchmark-report-for-law-firms-2026-565fca7048?v=9a7c6eb8&amp;utm_econtactid=CWOLT000041614609\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/assets.contenthub.wolterskluwer.com\/api\/public\/content\/3083298-benchmark-report-for-law-firms-2026-565fca7048?v=9a7c6eb8&amp;utm_econtactid=CWOLT000041614609\" data-cke-saved->Benchmark-Bericht 2026<\/a> von Wolters Kluwer enth\u00e4lt aktuelle Daten zur Nutzung von KI in Kanzleien. Er basiert auf einer Befragung von 633 Rechtsanw\u00e4lt:innen aus sechs L\u00e4ndern (Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande). F\u00fcr Deutschland nahmen 99 Anw\u00e4lt:innen teil, von denen rund 95% als Einzelanw\u00e4lt:innen oder Anw\u00e4lt:innen in kleineren Kanzleien (2-10 Berufstr\u00e4ger:innen) t\u00e4tig sind. Die hier angegebenen Prozentzahlen sind gerundet.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Laut Umfrage setzen \u00fcber 60 % der befragten Anw\u00e4lt:innen digitale Tools bei der t\u00e4glichen Arbeit ein. In Deutschland geben 63 % der Befragten an, bereits KI-Tools zu nutzen; weitere 10 % planen deren Einf\u00fchrung. Auff\u00e4llig ist, dass bei der Frage nach der Nutzung \u201egenerischer, generativer KI\u201c (bspw. ChatGPT) 83 % die Nutzung bereits heute bejahen; der europ\u00e4ische Durchschnitt liegt bei 73 %.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die KI-Anwendung in Deutschland konzentriert sich dabei auf juristische Recherche (64%), Dokumenten- (43%) und Kanzleimanagement (33 %). Deutlich weniger verbreitet ist der Einsatz von KI bei juristischer Kernarbeit wie der Vertragsanalyse und -gestaltung (19 %) sowie\u00a0der Prognose von Rechtsf\u00e4llen (11 %).<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Als Argumente gegen die Verwendung von KI werden prim\u00e4r fehlendes Vertrauen und Kenntnisse (58 %), der Datenschutz (39 %) sowie die Kosten der Implementierung (39 %) genannt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Rund 91 % der deutschen Anw\u00e4lt:innen planen, in den n\u00e4chsten drei Jahren mehr in Technologie zu investieren. Insgesamt sollte bei der Einordnung des Berichts ber\u00fccksichtigt werden, dass Wolters Kluwer selbst entsprechende Technologie anbietet.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">\n<hr \/>\n<h5><\/h5>\n<h5 class=\"null\">Weiterbildung am Puls der Zeit<\/h5>\n<h3 class=\"null\">Die Student Driven University<\/h3>\n<p dir=\"ltr\">W\u00e4hrend sich die universit\u00e4re Ausbildung auf das materielle Recht konzentriert, wandeln sich die methodischen Anforderungen des Rechtsmarkts rasant. In der <a href=\"https:\/\/recode.law\/en\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/recode.law\/\" data-cke-saved->Student Driven University (SDU) von recode.law<\/a> schlie\u00dfen wir diese L\u00fccke: Wir erarbeiten uns die Skills, die in der Praxis den Unterschied machen \u2013 von der effizienten Fallbearbeitung bis hin zum Verst\u00e4ndnis moderner Legal-Tech-Infrastrukturen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das Curriculum der SDU gliedert sich in drei S\u00e4ulen:<\/p>\n<ol>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\" role=\"presentation\"><strong>Workshops<\/strong>: Hier steht das praktische \u201eMachen\u201c im Fokus. In Kleingruppen testen wir KI-Workflows f\u00fcr Anki-Karteikarten, evaluieren Legal-Tech-Tools oder lernen Methoden wie Design Thinking kennen.<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\" role=\"presentation\"><strong>Expertengespr\u00e4che<\/strong>: In kleiner Runde bieten wir Mitgliedern den direkten Austausch mit F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten aus der Legal-Tech-Szene. Hier werden Themen vertieft, die in der klassischen Lehre keinen Platz finden.<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\" role=\"presentation\"><strong>Projektinitiativen<\/strong>: Alle Mitglieder haben die M\u00f6glichkeit, eigene Ideen umzusetzen \u2013 sei es die Entwicklung eines Tools, das Schreiben eines Aufsatzes oder die Aufnahme eines Podcasts. Der Verein unterst\u00fctzt dabei mit Ressourcen und Netzwerk.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p dir=\"ltr\">Diesen Kompetenzaufbau machen wir zus\u00e4tzlich durch das <strong>recode.law Zertifikat<\/strong> f\u00fcr die aktive Teilnahme sichtbar. Es dient als Nachweis f\u00fcr Expertise, die \u00fcber das Standard-Curriculum hinausgeht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Lust, die juristische Welt von morgen nicht nur zu beobachten, sondern mitzugestalten? <a href=\"https:\/\/recode.law\/en\/mitmachen\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/recode.law\/mitmachen\/\" data-cke-saved->Dann klicke hier und werde Teil von recode.law<\/a>.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">\n<hr \/>\n<h5>Veranstaltungs-Tipp<\/h5>\n<h3><strong>Workshop mit Hogan Lovells x recode.law<\/strong><\/h3>\n<p>Wir freuen uns, den Beginn unserer Partnerschaft mit einem besonderen Event zu feiern: Gemeinsam mit <a href=\"https:\/\/www.hoganlovells.com\/de\/locations\/munich\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.hoganlovells.com\/de\/locations\/munich\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hogan Lovells<\/a> und ihrem Legal-Tech-Unternehmen <a href=\"https:\/\/eltemate.com\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/eltemate.com\/\" data-cke-saved- rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ELTEMATE<\/a> erhaltet Ihr exklusive Einblicke in den Einsatz von K\u00fcnstlicher Intelligenz in einer internationalen Gro\u00dfkanzlei.<\/p>\n<p>In einem englischsprachigen Workshop entwickelt Ihr eine KI-gest\u00fctzte L\u00f6sung zur Vertragspr\u00fcfung \u2013 praxisnah, effizient und orientiert an realen juristischen Anforderungen.<\/p>\n<p>Im Anschluss lassen wir den Abend bei einem gemeinsamen Essen ausklingen.<\/p>\n<p><strong>Wann?<\/strong> Donnerstag, 19. M\u00e4rz 2026<br \/>\n<strong>Wo?<\/strong> Hogan Lovells, M\u00fcnchen<\/p>\n<p dir=\"ltr\">\nInteressierte k\u00f6nnen sich per E-Mail an <a href=\"mailto:karriere@hoganlovells.com\" data-cke-saved-href=\"mailto:karriere@hoganlovells.com\">karriere@hoganlovells.com<\/a> bewerben &#8211; bitte mit Lebenslauf und aktuellem Notennachweis.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser:innen, herzlich willkommen zur aktuellen Ausgabe unseres Newsletters, in dem wir Euch einen kompakten \u00dcberblick \u00fcber aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Recht und Technologie geben. In dieser Ausgabe des NewLawRadar beleuchten wir die fortschreitende Durchsetzung des Digital Services Act und die laufenden Verfahren gegen gro\u00dfe Plattformanbieter. 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