{"id":9639,"date":"2026-07-21T23:47:05","date_gmt":"2026-07-21T22:47:05","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=9639"},"modified":"2026-07-21T23:47:22","modified_gmt":"2026-07-21T22:47:22","slug":"ki-rechtsschutz-vor-den-amtsgerichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/ki-rechtsschutz-vor-den-amtsgerichten\/","title":{"rendered":"KI &#038; Rechtsschutz vor den Amtsgerichten"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"9639\" class=\"elementor elementor-9639\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-673c7504 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"673c7504\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-1eabf77a\" data-id=\"1eabf77a\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-77f34b23 elementor-widget elementor-widget-theme-post-featured-image elementor-widget-image\" data-id=\"77f34b23\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"theme-post-featured-image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/recode.law\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Beitrag-Kai-22.07.2026-1024x576.png\" class=\"attachment-large size-large wp-image-9640\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/recode.law\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Beitrag-Kai-22.07.2026-1024x576.png 1024w, https:\/\/recode.law\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Beitrag-Kai-22.07.2026-300x169.png 300w, https:\/\/recode.law\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Beitrag-Kai-22.07.2026-768x432.png 768w, https:\/\/recode.law\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Beitrag-Kai-22.07.2026-1536x864.png 1536w, https:\/\/recode.law\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Beitrag-Kai-22.07.2026-2048x1152.png 2048w, https:\/\/recode.law\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Beitrag-Kai-22.07.2026-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-172aab64 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"172aab64\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><b>KI &amp; Rechtsschutz vor den Amtsgerichten<\/b><\/p><p><b>I. Das Amtsgericht als Keimzelle des Rechtsschutzes<\/b><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">In der medialen Berichterstattung, ob Tageszeitung, TV oder auch in juristischer Berichterstattung ist in der Regel immer die Rede von den Entscheidungen des Bundesgerichtshofs, dem Bundesverfassungsgericht oder dem Bundesverwaltungsgericht. Es ist schon die Ausnahme, wenn mal ein Urteil eines Oberlandesgerichts oder gar eines Landgerichts durch die Medien geht. Doch wieso fokussiert sich die mediale Berichterstattung vorwiegend auf die Revisionsgerichte? Dies hat verschiedene Gr\u00fcnde: Zum einen haben Urteile von Revisionsgerichten\u00a0 eine erhebliche Signalwirkung. Ein Urteil des BGH beispielsweise hat Richtlinienfunktion f\u00fcr alle Amtsgerichte. Zum anderen liegt der Fokus der Amtsgerichte auf den Tatsachen des Einzelfalls. Diese sollen ermittelt und bewertet werden. Die Revisionsgerichte besch\u00e4ftigen sich mit dem Recht an sich. Nicht die Tatsachen sind Ermittlungsgegenstand, sondern die Anwendung des Rechts durch die Vorinstanzen. Die daraus folgenden Erw\u00e4gungen haben allgemeing\u00fcltige Bedeutung f\u00fcr alle Gerichte und Menschen in Deutschland, nicht nur f\u00fcr die zwei beteiligten Parteien. Ein weiterer Grund ist die Finalit\u00e4t von Revisionsentscheidungen. Sie sind der Schlusspunkt eines jeden Instanzenzugs und k\u00f6nnen nicht mehr angegriffen werden. Medien lieben eine solche Endg\u00fcltigkeit. Schlie\u00dflich sind auch die Prominenz und Tragweite solcher Entscheidungen von Bedeutung. Revisionsverfahren haben oft bereits eine mediale Vorgeschichte oder betreffen prominente Akteure, bzw. gesellschaftlich hochemotionale Themen (z.B. Diesel-Skandal, Cum-ex, schwere Kapitalverbrechen). Die Amtsgerichte pr\u00e4gen zwar das Leben der Menschen, aber die Revisionsgerichte pr\u00e4gen das Recht.<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Jedoch widerspricht diese mediale \u00dcberrepr\u00e4sentation der Revisionsgerichte dem tats\u00e4chlichen Alltag des Rechtsschutzes in Deutschland. Laut den offiziellen Statistiken finden die meisten Verfahren beim Amtsgericht statt. Zudem werden auch nicht ann\u00e4hernd so viele amtsgerichtliche Entscheidungen abge\u00e4ndert oder aufgehoben, wie es manchmal scheint. In Zivilverfahren werden 70-80 % der Urteile sofort rechtskr\u00e4ftig, da keine Rechtsmittel eingelegt werden. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind meist ein zu hohes\u00a0 Kostenrisiko, die Eindeutigkeit der Beweislage oder die\u00a0 Geringf\u00fcgigkeit des Streitwerts. In Berufungsverfahren beim Landgericht kommt es in 50-60 % der F\u00e4lle zu einer Best\u00e4tigung des amtsgerichtlichen Urteils. Nur in etwa 15-20 % erfolgt eine Ab\u00e4nderung oder Aufhebung. In einer Gesamtbetrachtung haben also \u00fcber 90 % der amtsgerichtlichen Urteile Bestand <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Im Strafrecht ist die Erfolgsrate von Berufungen h\u00f6her, da hier h\u00e4ufig (nur) \u00fcber das Strafma\u00df verhandelt wird, bei gleichzeitiger Best\u00e4tigung der erstinstanzlich festgestellten Schuld. Technisch gesehen liegt mit einer \u00c4nderung des Strafma\u00dfes trotzdem eine Ab\u00e4nderung vor, die so auch in der Statistik festgehalten wird<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Dass die Amtsgerichte in Deutschland die Haupttr\u00e4ger und Anlaufstellen f\u00fcr den Rechtsschutz sind, zeigt sich auch daran, dass mindestens ein gerichtlicher Kontakt im Leben f\u00fcr einen in Deutschland lebenden Menschen eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist. Etwa 60-70 % haben mindestens einmal im Leben Kontakt zu einem Gericht. J\u00e4hrlich werden 1,1 Millionen neue Verfahren an den Amtsgerichten anh\u00e4ngig, allein im Zivilrecht. In einem durchschnittlich 80 j\u00e4hrigen Leben sind das 88 Millionen neue Verfahren, an denen auch immer mindestens zwei Personen beteiligt sind. Des Weiteren liegt die Scheidungsrate bei mittlerweile 33 %. Daraus folgende Streitigkeiten erreichen unweigerlich die Amtsgerichte als exklusiv zust\u00e4ndige Familiengerichte. Auch bei Nachlassangelegenheiten, die wohl die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung irgendwann mal betreffen werden, ist ein Kontakt mit den Amtsgerichten unvermeidbar, da diese auch f\u00fcr Nachlassangelegenheiten ausschlie\u00dflich zust\u00e4ndig sind. \u00dcber 90 % der gerichtlichen Erstkontakte finden am Amtsgericht statt. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind die amtsgerichtliche \u201eAllzust\u00e4ndigkeit\u201c und die r\u00e4umliche N\u00e4he. Schlie\u00dflich gibt es in Deutschland immerhin 638 Amtsgerichte (dagegen 116 Landgerichte und \u201enur\u201c 24 Oberlandesgerichte). Landgerichte sind nur bei einem h\u00f6heren Streitwert (&gt;10.000 \u20ac) und bei schweren Straftaten (Freiheitsstrafe &gt;1 Jahr) zust\u00e4ndig. Ansonsten liegt die Zust\u00e4ndigkeit beim Amtsgericht.\u00a0 Ein weiterer Grund ist auch, dass Klagen vor dem Amtsgericht grunds\u00e4tzlich ohne einen Anwalt m\u00f6glich sind (\u00a7 79 I ZPO). Dies soll es den B\u00fcrgern erleichtern, ihre Anspr\u00fcche zu verfolgen, ohne selbst ein finanzielles Risiko durch die Beauftragung eines Anwaltes einzugehen. Trotzdem werden 88 % aller Klagen vor dem Amtsgericht mit anwaltlicher Unterst\u00fctzung gef\u00fchrt<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Jedoch ist zu beobachten, dass die Anzahl der Verfahren an den Amtsgerichten r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind zum einen hohe Kosten f\u00fcr die eigene Rechtsverfolgung, die nicht selten den Wert des eingeklagten Anspruchs \u00fcbersteigen, und zum anderen alternative Konfliktl\u00f6sungsmechanismen. Auch der stetig wachsende Einsatz von Legal-Tech sorgt f\u00fcr insgesamt weniger Verfahren, beispielsweise im Fall von Fluggastrechten oder Mietpreisbremsen, wo nun\u00a0 dutzende Anspr\u00fcche in einem Verfahren zusammen verfolgt werden k\u00f6nnen. Doch nicht nur in solchen F\u00e4llen hat Legal-Tech und k\u00fcnstliche Intelligenz Einfluss auf den amtsgerichtlichen Rechtsschutz.<\/span><\/p><p>\u00a0<\/p><p><b>II. KI-Einsatz auf Mandantenseite <\/b><\/p><p><b>1. Problematik<\/b><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Vor den Amtsgerichten zeichnet sich eine Problematik ab, die so vom Gesetzgeber nicht vorgesehen war. Im Gegenteil: die Amtsgerichte sind als \u00f6rtliche Institute f\u00fcr einfachen Rechtsschutz gedacht und sollen den B\u00fcrgern eine schnelle und kosteng\u00fcnstige M\u00f6glichkeit bieten, ihre Anspr\u00fcche zu verfolgen und damit die Anwendung des materiellen Rechts wahren. Ein zuverl\u00e4ssiger Rechtsschutz f\u00fcr jeden B\u00fcrger ist ein Grundpfeiler einer jeden freiheitlichen Demokratie. Der Gesetzgeber hat allerdings nicht vorgesehen, dass die gro\u00dfe Mehrheit der amtsgerichtlichen Klagen unter anwaltlicher Unterst\u00fctzung erfolgen. Er wollte es den B\u00fcrgern erm\u00f6glichen, einfach und vor allem kosteng\u00fcnstig Prozesse in eigenem Namen zu f\u00fchren. Niemand sollte verpflichtet sein f\u00fcr einfache Prozesse einen kostspieligen Anwalt einzuschalten. Doch die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein juristischer Laie wird es sich in den meisten F\u00e4llen nicht zutrauen einen Prozess selbst zu f\u00fchren ohne Kenntnisse \u00fcber das Prozessrecht und das einschl\u00e4gige materielle Recht. Das Risiko eines Unterliegens infolge der fachlichen Unwissenheit ist einfach zu gro\u00df. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen auch Prozesse vor dem Amtsgericht trotz geringen Streitwertes eine Komplexit\u00e4t mit sich bringen, die nicht bereits anf\u00e4nglich erkennbar ist und schnell zu einer \u00dcberforderung f\u00fchren kann. Die einzige Alternative zur Absicherung ist die Beauftragung eines Anwalts, die jedoch mit nicht unerheblichen Kosten verbunden und auch kein Garant f\u00fcr gerichtlichen Erfolg ist. Auch die Prozesskostenhilfe bietet oft keine ausreichende Unterst\u00fctzung Die Folge dieser Problematik: Nur ein Bruchteil der Auseinandersetzungen landet tats\u00e4chlich vor Gericht. Eine echte Teilhabe an rechtsstaatlichen Schutzmechanismen, die unabdingbarer Bestandteil einer funktionierenden Demokratie sind, sieht anders aus. Die Geltungsordnung des materiellen Rechts br\u00f6ckelt, wenn bspw. Unternehmen sich nicht rechtstreu verhalten, weil es sich f\u00fcr die Anspruchsinhaber ohnehin nicht lohnt, sich mit ihren (berechtigten) Anspr\u00fcchen zur Wehr zu setzen. In der Folge geht Vertrauen in die rechtsstaatliche Demokratie verloren. Wie kann ein Rechtsstaat f\u00fcr sich werben, wenn niemand mitbekommt, wie gut er ist?<\/span><\/p><p><b>2. Streitwert-Reform erm\u00f6glicht breiteren KI Einsatz<\/b><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Die j\u00fcngste Reform des Prozessrechtes hat zum Ziel, den Amtsgerichten mehr Verfahren zuzuweisen, nachdem die diesbez\u00fcglichen Zahlen k\u00fcrzlich r\u00fcckl\u00e4ufig waren. Die Neuregelungen, u.a. in der ZPO und im GVG, traten am 1.1.2026 in Kraft<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Der Streitwert, bis zu dem die Verfahren den Amtsgerichten zuzuordnen sind, wurde von bisher 5.000 \u20ac auf 10.000 \u20ac angehoben, also verdoppelt.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Der fehlende Anwaltszwang\u00a0 bei den Amtsgerichten erm\u00f6glicht es juristischen Laien sich bei der F\u00fchrung des Verfahrens durch KI unterst\u00fctzen zu lassen. Sie kann bei der Stellung der Antr\u00e4ge helfen, aber auch ganze Schrifts\u00e4tze verfassen. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) hat allerdings Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Reform. Schlie\u00dflich diene der Anwaltszwang einer geordneten Rechtspflege, der Vermeidung aussichtsloser Gerichtsverfahren und damit zugleich der Entlastung der Justiz. Des Weiteren hat der Anwaltszwang eine Beratungs- und Warnfunktion: Bei einem Streitwert von 10.000 \u20ac ist das Kostenrisiko f\u00fcr den Mandanten nicht unerheblich. Fehlerhafte Prozesshandlungen durch KI Unterst\u00fctzung, sei es durch mangelhafte Schrifts\u00e4tze oder auch nur taktisch unkluger Beratung, k\u00f6nnen schnell zu irreversiblen Sch\u00e4den f\u00fchren. Der DAV schl\u00e4gt von daher vor, die Schwelle f\u00fcr den Anwaltszwang bei 5.000 \u20ac beizubehalten<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Gesetzgeber vertritt dagegen die Auffassung, dass Verfahren vor den Amtsgerichten weniger komplex seien und B\u00fcrgern deshalb der Zugang zur Justiz auch ohne Anwalt m\u00f6glich sein soll. Es ist kein Geheimnis, dass einigen Verfahren, bei denen es beispielsweise um einen dreistelligen Betrag oder auch niedrigen vierstelligen Betrag geht, zum einen eine offensichtliche Rechtslage zugrunde liegt und zum anderen die Relevanz fehlt, um mit anwaltlicher Unterst\u00fctzung einen langwierigen Prozess zu f\u00fchren. Solche Verfahren lassen sich mit KI-gest\u00fctzten Schrifts\u00e4tzen vergleichsweise einfach und unkompliziert l\u00f6sen. Dies sieht bei F\u00e4llen, die einen Streitwert von 5.000-10.000 \u20ac aufweisen, schon durchaus anders aus. Ein juristischer Laie kann weder die rechtlichen und tats\u00e4chlichen Dimensionen eines Falles \u00fcberblicken noch ist anzunehmen, dass die Funktionsweise von KI hinreichend bekannt ist und Fallstricke bei ihrer Nutzung f\u00fcr rechtliche Fragestellungen ber\u00fccksichtigt werden, sowohl beim Nutzer als auch bei Gericht. KI Unternehmen sehen diese Entwicklung und die M\u00f6glichkeit einer Haftung f\u00fcr fehlerhafte Rechtsberatung durch ihre Produkte und bem\u00fchen sich folglich darum, ihre Haftungsrisiken zu reduzieren. OpenAI hat beispielsweise ihre Nutzungsbedingungen dahingehend aktualisiert<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Schlie\u00dflich macht KI auch Fehler. Ein Beispiel ist der Schriftsatz eines Anwaltes mit Fehlzitaten<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Eine unterbliebene \u00dcberpr\u00fcfung der KI durch den Anwalt stellt freilich eine Verletzung der Berufspflicht dar. Doch einem juristischen Laien w\u00fcrden solche Fehlzitate auch bei erfolgter Durchsicht nicht auffallen. Im obigen Fall f\u00fchrte dieses Vers\u00e4umnis zwar nicht zu prozessualen Sanktionen, trotzdem gef\u00e4hrden solche Fehler den Erfolg.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Trotz solch negativen Schlagzeilen bietet KI auch neue Chancen f\u00fcr die Rechtsdurchsetzung, wenn die Kosten f\u00fcr einen Anwalt zu hoch sein sollten und der Fall eine eher gem\u00e4\u00dfigte Komplexit\u00e4t sowie ein moderates Kostenrisiko aufweist. Dadurch wird ein umfangreicherer Rechtsschutz und demokratische Teilhabe gew\u00e4hrt. Die gewissenhafte Nutzung von KI kann somit eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung bedeuten. Zu empfehlen ist jedoch die Verwendung von KI, die speziell hierf\u00fcr entwickelt wurde.\u00a0<\/span><\/p><p><b>3. Erste Tools zur juristischen Ersteinsch\u00e4tzung durch juristische Laien<\/b><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Mittlerweile gibt es eine gewisse Auswahl an KI-Programmen, die f\u00fcr die rechtliche Beratung und Unterst\u00fctzung herangezogen werden k\u00f6nnen. Zu unterscheiden ist freilich zwischen eigens daf\u00fcr entwickelten Apps und Programmen, die eher als \u201eAllrounder\u201c anzusehen sind und bei denen die rechtliche Beratung nur eines von vielen Featuren ist.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Die App law.me ist eine erste-Hilfe AI Rechts-App f\u00fcr Rechtssuchende in zivilrechtlichen Angelegenheiten. Zielgruppe sind in erster Linie Verbraucher mit zivilrechtlichen Anliegen, bietet aber auch Unterst\u00fctzungspotential f\u00fcr Rechtsanw\u00e4lte, Mediatoren und Rechtsschutzversicherungen.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch Chat-GPT gibt dem Nutzer juristische Beratung und pr\u00fcft Anspr\u00fcche oder formuliert Schreiben. Allerdings existiert ein Hinweis in den Nutzungsbedingungen, nach dem\u00a0 ChatGPT nicht f\u00fcr &#8220;personalisierte Beratungsleistungen, z. B. rechtlicher oder medizinischer Natur, f\u00fcr die eine Befugnis oder Lizenz erforderlich ist, ohne Beisein einer einschl\u00e4gig qualifizierten Person&#8221; verwendet werden d\u00fcrfe.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> Dadurch schlie\u00dft OpenAI die eigene Haftung aus f\u00fcr den Fall von juristischen Fehlern des Programms. Die App kann also gerade in einfacheren Verfahren eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung f\u00fcr juristische Laien bieten, ist aber mit zunehmender Komplexit\u00e4t des Falles mit Vorsicht zu genie\u00dfen.\u00a0<\/span><\/p><p>\u00a0<\/p><p><b>III. KI Einsatz auf Gerichtsseite<\/b><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch auf Seiten der Justiz schreitet die Digitalisierung fort. Es werden fortlaufend neue Programme entwickelt, eingef\u00fchrt oder getestet, die die gerichtlichen Abl\u00e4ufe vereinfachen und Verfahren beschleunigen sollen.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein Vorhaben, das f\u00fcr deutlich mehr ver\u00f6ffentlichte Urteile sorgen soll, ist das Projekt \u201eALeKS\u201c (Anonymisierungs- und Leitsatzerstellungs-Kit zur smarten Ver\u00f6ffentlichung von Gerichtsentscheidungen). K\u00fcnftig sollen Gerichtsurteile mit Hilfe von KI anonymisiert werden, damit sie anschlie\u00dfend ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnen. Aktuell werden weniger als 3 % aller Urteile ver\u00f6ffentlicht, an den Amtsgerichten noch weniger. Dies liegt an dem hohen zeitlichen und personellen Aufwand. Dieser Ver\u00f6ffentlichungsprozess soll durch die (Teil-)Automatisierung beschleunigt und vereinfacht werden: Large Language Models (LLM) sollen dabei helfen, Leits\u00e4tze zu erstellen und Entscheidungen zu verschlagworten.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> Folge von mehr Ver\u00f6ffentlichungen sind mehr Urteile, die die KI auf Parteiseite zur Beurteilung heranziehen kann. Dies f\u00fchrt wiederum zu treffenderen Ergebnissen und besser belegten Subsumtionen.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">In Baden-W\u00fcrttemberg und Hessen wird seit Dezember 2025 das KI-Tool \u201eJANO\u201c (Justiz-Anonymisierung) genutzt. Dieses Programm wurde von den Landesjustizen selbst entwickelt und nutzt KI, um personenbezogene und sensible Daten in den Urteilen zu finden und durch Abk\u00fcrzungen zu ersetzen. Namen, Adressen und weitere Daten, die f\u00fcr den Fall nicht von Relevanz sind, aber sensible Informationen enthalten, werden abgek\u00fcrzt, ge\u00e4ndert oder geschw\u00e4rzt (aus beispielsweise Herrn Peter M\u00fcller wird \u201eHerr M\u201c). Diese Arbeit musste fr\u00fcher h\u00e4ndisch durchgef\u00fchrt werden, was bei umfangreichen Urteilen eine langwierige Aufgabe war. Nun \u00fcbernimmt die KI diese Aufgabe. Die Mitarbeiter m\u00fcssen die fertig anonymisierten Urteile nur noch \u00fcberpr\u00fcfen und freigeben. Der Arbeitsaufwand wird folglich erheblich verringert und es wird eine h\u00f6here Ver\u00f6ffentlichungszahl erreicht.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Ebenfalls neu und ein wahrer Meilenstein der Digitalisierung in der Justiz, ist das Online-Verfahren f\u00fcr Zivilklagen vor dem Amtsgericht. Seit dem 15. April 2026 befindet es sich an 8 ausgew\u00e4hlten Standorten, darunter N\u00fcrnberg und Hamburg-Mitte, in der Erprobung. Weitere Standorte sollen folgen. Inhaltlich ist das Verfahren zun\u00e4chst auf Geldforderungen bis zu 10.000 \u20ac beschr\u00e4nkt, also der neuen Streitwertgrenze f\u00fcr Amtsgerichte angepasst. Das Online Verfahren soll eine eigenst\u00e4ndige Verfahrensart mit speziellen Regelungen und reduzierten Gerichtsgeb\u00fchren sein. Hierf\u00fcr wurde ein eigenes Gesetz verabschiedet.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> Die Klagen sollen vollst\u00e4ndig online eingereicht werden k\u00f6nnen. Diese M\u00f6glichkeit soll sowohl Rechtsanw\u00e4lten als auch B\u00fcrgern offenstehen. Zentrale Merkmale des Verfahrens sind eine strukturierte und digitale Verfahrensf\u00fchrung. M\u00fcndliche Verhandlungen sollen i.d.R. nicht durchgef\u00fchrt werden. Falls eine Verhandlung doch notwendig sein sollte, soll sie als Videoverhandlung, \u00a7 128a ZPO, durchgef\u00fchrt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch kein Einsatz von KI im Verfahren geplant, doch stellt das Projekt schon jetzt einen enormen Schritt zu mehr Digitalisierung da und bietet f\u00fcr die Zukunft vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Einsatz von KI und daf\u00fcr spezifische Entwicklungen.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Abschlie\u00dfend ist ein Wandel der deutschen Justiz hin zu einer breiteren Digitalisierung zu erkennen. Davon werden am Ende alle Seiten profitieren: Die Gerichte erfahren eine sp\u00fcrbare Arbeitserleichterung und k\u00f6nnen sich so zumindest teilweise entlasten und die B\u00fcrger erhalten einen breiteren Zugang zum Rechtsschutz, was am Ende ihre Rechte st\u00e4rkt. So wird der Grundgedanke der Demokratie verfolgt. Starke Rechte f\u00fcr die B\u00fcrger und funktionierende Rechtsschutz und -verfolgungsm\u00f6glichkeiten, damit diese Rechte nicht leer laufen. Weitere Entwicklungen in diesem Bereich sind zu erwarten und aufs w\u00e4rmste zu begr\u00fc\u00dfen!<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-1be6ce3c elementor-widget elementor-widget-author-box\" data-id=\"1be6ce3c\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"author-box.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-author-box\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div  class=\"elementor-author-box__avatar\">\n\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/recode.law\/wp-content\/plugins\/elementor\/assets\/images\/placeholder.png\" alt=\"Picture of Kai Aderhold\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\n\t\t\t<div class=\"elementor-author-box__text\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div >\n\t\t\t\t\t\t<h4 class=\"elementor-author-box__name\">\n\t\t\t\t\t\t\tKai Aderhold\t\t\t\t\t\t<\/h4>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KI &amp; Rechtsschutz vor den Amtsgerichten I. Das Amtsgericht als Keimzelle des Rechtsschutzes In der medialen Berichterstattung, ob Tageszeitung, TV oder auch in juristischer Berichterstattung ist in der Regel immer die Rede von den Entscheidungen des Bundesgerichtshofs, dem Bundesverfassungsgericht oder dem Bundesverwaltungsgericht. 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