{"id":9747,"date":"2026-08-31T15:20:26","date_gmt":"2026-08-31T14:20:26","guid":{"rendered":"https:\/\/recode.law\/?p=9747"},"modified":"2026-08-31T15:34:18","modified_gmt":"2026-08-31T14:34:18","slug":"nachbericht-workshop-mit-birdbird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/recode.law\/en\/nachbericht-workshop-mit-birdbird\/","title":{"rendered":"Nachbericht: Workshop mit Bird&#038;Bird"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber den Einsatz von KI in der Rechtspraxis wird derzeit viel geschrieben. Deutlich seltener bekommt man die Gelegenheit, selbst auszuprobieren, was Sprachmodelle in einer konkreten Mandatssituation tats\u00e4chlich leisten \u2013 und wo sie an ihre Grenzen sto\u00dfen. Genau daf\u00fcr waren wir am 21. Juli 2026 bei Bird &amp; Bird in Frankfurt zu Gast. Die Teilnehmenden standen alle nach dem ersten Staatsexamen, brachten also juristisches Handwerkszeug mit, jedoch sehr unterschiedliche Vorerfahrungen im Umgang mit KI.<\/p>\n<h4>Wie Sprachmodelle eigentlich funktionieren<\/h4>\n<p>Den Auftakt \u00fcbernahm ich, Mai von recode.law, mit einem Vortrag zur technischen Funktionsweise gro\u00dfer Sprachmodelle. Mir war wichtig, nicht bei der Anwendungsebene stehen zu bleiben, sondern zu zeigen, was im Inneren eines Modells passiert, z.B. wie Text in Tokens zerlegt wird, wie ein Modell auf dieser Grundlage Wahrscheinlichkeiten f\u00fcr das jeweils n\u00e4chste Token berechnet und warum daraus fl\u00fcssige, aber eben nicht notwendigerweise zutreffende Texte entstehen.<\/p>\n<p>Dieses Verst\u00e4ndnis ist keine technische Spielerei, sondern hat unmittelbare Konsequenzen f\u00fcr die juristische Arbeit. Wer wei\u00df, dass ein Modell keine Datenbank abfragt, sondern Sprache fortschreibt, geht anders mit dessen Ausgaben um. Er pr\u00fcft Fundstellen nach, gibt bewusst Kontext vor und beh\u00e4lt die Verantwortung f\u00fcr das Ergebnis bei sich. Aus meiner Sicht ist das die eigentliche Kompetenz, die Jurist:innen im Umgang mit KI brauchen \u2013 die F\u00e4higkeit einzusch\u00e4tzen, welchen Teil der Arbeit man sinnvoll auslagern kann und welchen nicht.<\/p>\n<h4>Einblicke aus der Praxis<\/h4>\n<p>Anschlie\u00dfend \u00fcbernahmen die Anw\u00e4lt:innen von Bird &amp; Bird. Johannes Jung berichtete davon, wie Legal Tech den Alltag einer Gro\u00dfkanzlei inzwischen pr\u00e4gt \u2013 von der Dokumentenanalyse bis zu den Fragen, die sich stellen, wenn Mandate zunehmend nicht mehr nach aufgewendeten Stunden abgerechnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Oliver Belitz und Dr. Simon Hembt gaben danach einen Einblick in die Beratungspraxis zu KI. Sichtbar wurde vor allem, wie viele Rechtsgebiete ein einziges KI-Projekt ber\u00fchrt: Urheber- und Pers\u00f6nlichkeitsrecht, Datenschutzrecht, der Schutz von Gesch\u00e4ftsgeheimnissen, das Vertragsverh\u00e4ltnis zu Kund:innen und Dienstleistern, arbeitsrechtliche Fragen, Cybersicherheit und \u00fcber allem die Vorgaben des AI Act. Mandant:innen kommen selten mit einer sauber zugeschnittenen Rechtsfrage in die Kanzlei, sondern mit einem laufenden Projekt, das bereits Fakten geschaffen hat.<\/p>\n<h4>Die Gruppenarbeit: eine AI Use Policy<\/h4>\n<p dir=\"ltr\">Der Sachverhalt der anschlie\u00dfenden Gruppenarbeit war entsprechend praxisnah: Ein Unternehmen setzt generative KI bereits im Tagesgesch\u00e4ft ein \u2013 ohne Absprache und mit erkennbaren rechtlichen Risiken. Die Aufgabe f\u00fcr die vier Teams war der erste Entwurf einer AI Use Policy, die den Einsatz nicht verbietet, die Risiken so weit wie m\u00f6glich ausr\u00e4umt und f\u00fcr die Fachabteilungen verst\u00e4ndlich bleibt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Der Einsatz von KI war dabei ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht \u2013 f\u00fcr Recherche, Strukturierung und Ausformulierung; \u00fcberwiegend fiel die Wahl auf ChatGPT und Claude. Ebenso ausdr\u00fccklich galt aber: Die Zulieferungen der Modelle mussten von den Teams orchestriert und kontrolliert werden, mit besonderer Vorsicht dort, wo man die eigene Expertise verl\u00e4sst.<\/p>\n<h4>Vorstellung der Ergebnisse<\/h4>\n<p>Jedes Team benannte anschlie\u00dfend eine Person, die den eigenen Entwurf vorstellte: Aufbau des Dokuments, die dahinterstehenden rechtlichen Erw\u00e4gungen und \u2013 mindestens genauso interessant \u2013 die Frage, wie im Team konkret mit den Modellen gearbeitet wurde. Darauf folgte jeweils das Feedback der Anw\u00e4lt:innen zu Inhalt und Techniknutzung. Gerade dieser doppelte Blick hat sich als der lehrreichste Teil des Tages erwiesen. Man sieht unmittelbar, welche Formulierungen in der Praxis tragen, und zugleich, wie unterschiedlich vier Teams mit denselben Werkzeugen zu vier verschiedenen Ergebnissen kommen.<\/p>\n<h4>Ausklang<\/h4>\n<p>Der Abend endete in einer Bar bei Essen, Getr\u00e4nken und Gespr\u00e4chen, die den fachlichen Austausch des Tages in deutlich entspannterer Runde fortsetzten.<\/p>\n<p>Wir bedanken uns bei Bird &amp; Bird f\u00fcr einen Workshop, der Technik, Recht und Praxis auf seltene Weise zusammengebracht hat und bei allen Teilnehmenden f\u00fcr ihr Engagement. Wer beim n\u00e4chsten Mal dabei sein m\u00f6chte: Vorkenntnisse im Umgang mit KI sind keine Voraussetzung, Neugier gen\u00fcgt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Einsatz von KI in der Rechtspraxis wird derzeit viel geschrieben. 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